Frauen an der ETH gestern, heute und morgen

07.07.2017

By:  Judith Setz

Am 27. Juni luden die UZH Alumni Alumnae der UZH und der ETH zum Alumnae-Lunch ein, welcher drei Mal pro Jahr durchgeführt wird. ETH-Rektorin Prof. Sarah Springman sprach zum Thema «Frauen an der ETH gestern, heute und morgen» und nahm die rund 70 Zuhörerinnen mit auf eine Reise von der Vergangenheit in die Gegenwart.

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ETH Rektorin Prof. Springman im Gespräch. Copyright Thomas Entzeroth
ETH Rektorin Prof. Springman im Gespräch. Copyright Thomas Entzeroth

Als die ETH Zürich 1855 ihre Tore öffnete, waren Frauen von Anfang an zugelassen. Dies war für die damalige Zeit unglaublich fortschrittlich, wie Sarah Springman betonte. Andere renommierte Universitäten brauchten für diesen Schritt um einiges länger, wie das Beispiel Cambridge aufzeigt: Hier wurden Studentinnen erst ab 1948 zugelassen. Trotzdem trat die erste Studentin ihr Studium an der ETH erst 1871 an. Und es dauerte nochmals knapp vierzig Jahre, bis der erste Doktortitel vergeben wurde und die erste Dozentin ihre Arbeit aufnahm. Die erste Professorin wiederum wurde erst 1985, 130 Jahre nach der Gründung, berufen.

Brückenbauerinnen

„Diesen Frauen haben wir viel zu verdanken“, erklärte Sarah Springman. „Sie hatten es oft nicht einfach und mussten sich in einer männerdominierten Welt durchsetzen. Mit ihrem Engagement haben sie jedoch Brücken für uns gebaut.“ Als Sarah Springman 1997 an die ETH kam, war sie die erste Professorin am Departement Bau, Umwelt und Geomatik. „Damals“, so Sarah Springman, „waren nur eine von zehn Berufungen eine Frau.“ Seither hat sich viel getan: „Mittlerweile sind 13.6 Prozent der Professor/-innen weiblich. Trotzdem sind wir immer noch weit vom Ideal entfernt.“

Frauen-Förderung

Damit sich die Frauenquote an der ETH in den kommenden Jahren weiter verbessert, hat die ETH Zürich verschiedene Massnahmen ergriffen. So werden Frauen unter anderem bei den Stellenausschreibungen speziell angeschrieben. Coaching und Mentoring sollen die weiblichen Angestellten unterstützen und Professorinnen mit neugeborenen Kindern erhalten zusätzliche Zeit während des Tenure-Verfahrens. Kinderbetreuungsplätze helfen, die Vereinbarung von Familie und Beruf zu erleichtern.

Fehlendes Selbstvertrauen

Doch warum gibt es immer noch so einen merklichen Unterschied zwischen Frauen und Männer in der akademischen Welt? Sarah Springman sieht dafür verschiedene Faktoren: „Einerseits ist es sicherlich ein fehlendes Selbstvertrauen. Ein mangelhaftes Netzwerk sowie fehlende intrinsische Motivation für die MINT-Fächer sind sicherlich weitere Faktoren.“ Heutzutage sind beispielsweise nur 30 Prozent der Studierenden Frauen. Hier, so Sarah Springman, müsste man bereits in den Primar- und Sekundarschulen sowie in den Gymnasien aktiv werden. Es ist wichtig, dass die Mädchen für die MINT-Fächer begeistert werden und man ihnen aufzeigt, dass es normal ist, Ingenieurin zu werden.

Netzwerk aufbauen

Wie wichtig ein Netzwerk ist, weiss Sarah Springman aus eigener Erfahrung. Dass sie je Rektorin werden würde, hätte sie selber bei ihrem Stellenantritt 1997 nicht gedacht. Den Weg dazu hat nicht nur die erste Rektorin, Prof. Dr. Heidi Wunderli-Allenspach, geebnet, sondern auch ihr Netzwerk. Netzwerke, so Sarah Springman sind für eine Karriere unerlässlich: „Wir Frauen sollten uns dabei jedoch nicht nur auf weibliche Netzwerke konzentrieren, sondern in gemischten Netzwerken aktiv sein. Für eine Karriere ist es wichtig, dass wir Frauen Männernetzwerke infiltrieren.“

Nach dem Vortrag erhielten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, Sarah Springman Fragen zu stellen, was rege genutzt wurde. Beim anschliessenden Lunch-Apéro im Lichthof wurde weiter diskutiert, alte Kontakte gepflegt und neue geknüpft.

 
 
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Thu Jul 27 14:31:02 CEST 2017
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