Parasiten - Meister der Manipulation

02.03.2015 | OG Baden Alumni, OG Basel Alumni

Von:  Georg Funk

Am Freitag, 13. Februar 2015, wagten sich 20 ETH Alumni der Ortsgruppen Basel und Baden in die Ausstellung der schauerlichen Unterwelt der Parasiten, die im Naturhistorischen Museum Basel bis zum 26. April 2015 gezeigt wird.

Joachim Pelikan vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut Basel (Swiss TPH), der einen Teil der Ausstellung kuratiert  hat,  führte die Gruppe während 90 Minuten didaktisch sehr geschickt durch die Ausstellung.

Vom Putzervogel zum Blutpicker
Den Anfang machte eine ganz einfache Wirt-Parasit-Beziehung: Ein Rotschnabel-Madenhacker, der beim Wegpicken von Ungeziefer von Gazellen Blut geleckt hat und nun dabei ist, einen Teil seiner Nahrung aus offenen Wunden dieser Tiere zu beziehen – zur Not auch, indem er heilende Wunden wieder aufpickt. „Dieses Beispiels zeigt, wie eine bis vor kurzem noch als symbiotisch charakterisierte Beziehung (Putzsymbiose) gegenwärtig ins Ausbeuterische umschlägt“ erklärte Joachim Pelikan den teilnehmenden Alumni. Verblüffend war auch die Überlebensstrategie einer Krebslarve (Cymothoa exigua). Sie versteckt sich unter der Zunge ihres Wirtsfisches, dreht dort die Blutzufuhr in die Zunge ab und übernimmt später als erwachsenes Tier die Position der abgestorbenen Zunge im Fischmaul. Das sieht auf Fotos nicht nur skurril aus, sondern führte auch zur kniffligen Frage, ob der Krebs einen Teil der Aufgaben der abgestorbenen Fischzunge übernehmen kann. Obwohl dies das einzige bekannte Beispiel ist, bei dem ein Parasit ein Körperteil seines Wirts funktionell ersetzt, scheint darüber leider nicht viel bekannt zu sein.

Parasiten-Ausstellung Naturhistorisches Museum Basel

Leberegel - Meister der Manipulation
Auch der aus Matura-Tagen wohl noch bestens bekannte Entwicklungszyklus des Kleinen Leberegels mit seinen zwei obligatorischen Zwischenwirten, der Schnecke und der Ameise, sowie dem Schaf als Endwirt war ein Thema. Bei solch komplexen Wirt-Parasit-Interaktionen steuern Parasiten das Verhalten ihrer Zwischenwirte oft so, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung in den nächsten Zwischen- bzw. Endwirt erhöht wird. Gerade diese gut dokumentierten, phänomenal-manipulativen Fähigkeiten vieler Parasiten liessen bei den Besuchern ein ungutes Gefühl in der Magengegend aufkommen. Auf und in uns leben mindestens zehnmal mehr Mitbewohner, als dass unser Körper Zellen besitzt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass auch wir in diesem evolutionären Spiel nicht nur Spieler, sondern auch Spielball sind.

Krankheiten vs. Strassenverkehr

Schliesslich wies Joachim Pelikan im aktuellen Basler Teil der Ausstellung darauf hin, dass zur Zeit etwa 10‘000 Personen der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika zum Opfer gefallen sind, jedes Jahr aber noch immer über eine halbe Million Menschen an Malaria sterben. Das Swiss TPH engagiert sich deshalb an vorderster Front gegen Malaria. Auf die abschliessende Frage, worauf man als Tropenreisender am meisten achten soll, kam die überraschende Antwort: Auf den Strassenverkehr!

Die Alumnigruppe kehrte anschliessend im nahe gelegenen Restaurant „Zum Isaak“ ein und verweilte bei feinem Schoggikuchen  und lebendigen Gesprächen bis weit in den Abend hinein.

 
 
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Fri Apr 28 23:54:10 CEST 2017
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