Happiness is a choice

19.06.2015 | Alumni Focus

Von:  Muriel Fischer

Der Mensch strebt nach Glück, und glückliche Menschen sind kreativer. Doch wie wird man eigentlich glücklich? Das Seminar von Peter Seitz, Leiter des Hamamatsu Photonics Innovation Centers Europe, ausserordentlicher Professor an der EPFL und Mitglied des ieLab-Teams der ETHZ, eröffnete den Alumni einen Einblick in den Bereich. Der Referent führte mit gewitztem Charme durch den kurzweiligen zweistündigen Vortrag und machte die Teilnehmer durch Selbstexperimente gleich selber zum Teil seiner Präsentation.

Walter Gränicher, Präsident der ETH Alumni Vereinigung wies gleich in seiner Begrüssungsrede auf die Einzigartigkeit des Seminars hin: „Die Themen Glück und Kreativität sind keine klassischen Problemstellungen für die ETH Zürich und ihre Alumni. Darum freuen wir uns besonders, dass sich ein ETH Alumnus dieser Themen annimmt und sie mit uns beleuchtet.“ Der Anlass war der erste in der neu gegründeten Reihe der ETH Alumni Focus Events.

Das Streben nach Glück

“Wollt Ihr glücklich sein?”, mit dieser Frage eröffnete Peter Seitz seine interaktive Präsentation. Anhand eines vergrösserten Ausschnitts zeigte er, dass das Streben nach Glück sogar in der Verfassung der USA seinen Platz gefunden hat. In der Schweizer Verfassung sucht man dieses jedoch vergeblich „Die Eidgenossenschaft schützt Leben und Eigentum, darum kümmert sich jetzt die Alumni Vereinigung um Euer Glück“, scherzte Seitz. Doch empfinden wir alle das Gleiche, wenn wir von Glück sprechen? Anhand von Experimenten zeigte Peter Seitz, dass Glücksgefühle tatsächlich bei allen Menschen vergleichbar sind. Und er betonte: „ Obwohl ein gewisser genetischer Anteil die Fähigkeit bestimmt, Glück zu empfinden, ist sehr vieles beeinflussbar. Und damit hängt auch die wichtigste Botschaft zusammen, die ich heute habe: Happiness is a choice!“

Zusammenspiel von Körper und Gefühlen

Anhand von historischen Experimenten erläuterte der Referent die Relevanz und den Umgang mit den Themen in früheren Epochen. In einem der bekanntesten Experimente zog ein Wissenschaftler der einen Hälfte seiner Probanden mit Bändern die Mundwinkel nach oben, um ein Lachen fühlen zu lassen, danach liess er alle Probanden eine Komödie schauen. Die Gruppe mit den Bändern empfand den Film tatsächlich als lustiger als die andere Personengruppe. Der Körper und unsere Gefühle scheinen sich also tatsächlich zu beeinflussen. Doch wie können wir das für unser Glücksempfinden nutzen? Sowohl beim Glücksempfinden wie auch bei der Ausübung von Kreativität liefern wir eine bessere Leistung, wenn wir daran glauben. Vor allem bei der Kreativität können selbsterfüllende Prophezeiungen unsere Leistung verbessern; wir müssen nur davon überzeugt sein. Auch der Placeboeffekt wurde in mehreren Studien bestätigt: Glauben wir, unter dem Einfluss einer leistungssteigernden Substanz zu sein, ist unsere Leistung besser. „Freiheit, Kontrolle über das eigene Leben und soziale Einflüsse beeinflussen unsere Glücksgefühle.“, fasste Peter Seitz die Einsichten über das Glück zusammen. „Und traut Euch, etwas anders zu machen als bisher. Überraschungen können massgeblich zu unserem Glücksbefinden beitragen. Ich steige zum Beispiel immer an einem anderen Ort in den Zug ein, wenn ich mit den SBB unterwegs bin. Schon kleine Veränderungen können den Unterschied ausmachen.“

Macht mich ein hoher Lohn kreativer?

Die anwesenden Alumni lernten, dass das glücklichste Köpfchen oft auch das kreativste ist. Kreativität lässt sich jedoch nicht mit Druck oder hohen Boni erzwingen. „The brain runs on fun – sobald Ihr Spass habt, erreicht Ihr das höchste Kreativitätsniveau. Ihr könnt euch ruhig freuen, sobald Euch das nächste Mal jemand als verrückt betitelt. Denn Kreativität korreliert mit Extrovertiertheit und einer kleinen Portion Verrücktheit.“, erklärte Seitz. Das Kreativitätsniveau kann – wie vieles andere im Leben des Menschen  – aktiv erhöht werden. „Nach hundert Stunden Übung solltet Ihr mit ein wenig Talent in einem Bereich deutlich kreativer werden können“, erläuterte Seitz.

Wie funktioniert mein Gehirn?

Anhand von Selbstexperimenten konnten die Teilnehmer die theoretischen Erkenntnisse gleich am eigenen Leibe überprüfen. In einer ersten Runde wurden die Alumni dazu aufgefordert, mit Hilfe von einer begrenzten Anzahl Strichen, Flächen auf einem Häuschenblock in eine gewisse Anzahl Flächen zu unterteilen. Obwohl Seitz nichts zu der Form der Linien sagte, zeichneten alle Alumni die Linien genau den Häuschenlinien entlang. „Ihr hättet auch krumme Linien zeichnen können! Jedoch wurdet Ihr von den vorgefertigten Häuschenlinien verführt und habt euch nur daran orientiert.“, erläuterte der Referent. Und sogleich betonte er nochmals, dass man unbedingt flexibel bleiben und auch mal um die Ecke denken sollte.

Anschliessend zeigte Seitz den Alumni ein Abbild eines zweidimensionalen Gegenstandes und forderte sie auf, in zwei Minuten möglichst viele Nutzungsmöglichkeiten für das Objekt zu notieren. Einige kamen auf über zehn unterschiedliche Verwendungsformen. In der Diskussion der Ergebnisse wurde klar, dass jeder und jede den Gegenstand anders betrachtet hatte. Einige nahmen an, dass es sich um einen hohlen Gegenstand handelt, andere kamen nur mit Ideen auf, bei der der Gegenstand keinen Hohlraum aufweist. „An diesem Bild kann man nicht erkennen, ob der Gegenstand hohl ist oder nicht. Ihr habt das einfach angenommen. Versucht also, alles wegzudenken, das ihr als vermeintlich vorgegeben annimmt. So kommt Ihr am besten auf neue und vor allem kreative Ideen“, klärte Seitz die Alumni auf.

Selbstexperiment

Wie viele Nutzungsmöglichkeiten kannst Du in diesen Objekten erkennen?

Nach der Präsentation genossen die Alumni einen Apéro inklusive Stehdinner im Dozentenfoyer der ETH Zürich. Peter Seitz stand den Anwesenden bis zum Schluss für Fragen zur Verfügung, sodass anregende Diskussionen zu diesem äussert spannenden Thema entstanden.

Die ganze Präsentation von Peter Seitz findest Du hier (PDF, 5.8 MB).

 
 
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