Innovative Energieproduktionssysteme aus dem Tessin

27.06.2015 | OG Ticino Alumni

Von:  Rudi Belotti

Am Freitag, 8. Mai 2015, traf sich die Ortsgruppe Tessin in Biasca zur Besichtigung der dort angesiedelten Airlight Energy. Das Schweizer Unternehmen produziert eigene Solartechnologien für Grossserienproduktionen elektrischer und thermischer Energie und bietet Energiespeicherlösungen an.

Im Jahr 2007 wurde Airlight Energy mit dem Ziel gegründet, spezifische Lösungen für die Energieproduktion und -speicherung für Massenproduktionen zu entwickeln. Zur Zeit beschäftigt das Unternehmen rund 60 Mitarbeiter. Die Airlight Energy Group besteht aus den vier Unternehmungen Airlight Energy, dSolar, Alacaes und Synrocks. Die einzelnen Betriebe haben sich jeweils auf die Produktion eines Teiles für die Energiesysteme spezialisiert.

Hohe Anforderungen an die Systeme

Fabio Malnati eröffnete die Besichtigung mit einer Präsentation und erläuterte die allgemeinen Ziele und Ideen der Airlight Energy Group: „Unsere Energielösungen sollen Versorgungssicherheit gewährleisten, bezüglich Kosten kompetitiv sein und zugleich dem Kriterium der Nachhaltigkeit gerecht werden. Das Konstruktionskonzept basiert auf ganz einfachen Materialien, die eigentlich in jedem Land zur Verfügung stehen. So müssen die Materialien keine Weltreisen zurücklegen, bevor sie zur Entwicklung der Systeme verwendet werden können“ sagte er. Die Konstruktionen sind darauf ausgerichtet, dass sie lokale Arbeitskräfte vor Ort zusammenstellen können. So liefern sie dem entsprechenden Land einen ökonomischen Nutzen durch die Generierung von Arbeitsplätzen.

Airlight Energy bietet unterschiedliche Energieproduktionssysteme an, grob können sie in zwei Kategorien unterteilt werden: konzentrierte Solarenergie (concentrated solar power; CSP) und hochkonzentrierte thermische Photovoltaiksysteme (high concentration photovoltaic thermal systems; HCPVT). Die Prototypen der zwei Energieproduktionssysteme können aus nächster Nähe bestaunt werden.

Solarenergie aus Spiegelfolien

Das aus faserverstärktem Beton konstruierte CSP hat die Form einer horizontalen Liege und beeindruckte vor allem durch seine Grösse. Auf der Oberfläche sind neuentwickelte Spiegelfolien montiert, die Wärme aufnehmen und so im Zentrum der Kammer Solarenergie produzieren. Da Luft als Wärmeträgerflüssigkeit verwendet wird, kann zudem mit höheren Temperaturen als gewöhnlich gearbeitet werden. Dank den technischen Innovationen der Airlight Energy konnte dieses System entwickelt werden.

Lösungen für kleinere Betriebe

Das hochkonzentrierte thermische Photovoltaiksystem (HCPVT) erinnert hingegen mit dem langen Hals und den blütenartigen Flächen äusserlich an eine Blume. Die Flächen bestehen aus einem Multi-Spiegel-System mit aktiver Oberfläche und kann bei voller Auslastung eine Konzentration erreichen, die die Energie von mehr als 2000 Sonnen übersteigt. „Das System wurde in Kollaboration mit dem IBM Research Zurich entwickelt. Es soll gleichzeitig Elektrizität, Wärme und warmes Wasser wie auch klimatisierte Luft liefern. Es ist vor allem für kleine Energiekonsumenten – Hotels, Spitäler, kleine Industrien – gedacht. Diese Energielösung kommt im 2017 offiziell auf den Markt“, erklärte Malnati den Alumni.

Beton als Allroundtalent

Die Airlight Energy Group sieht im faserverstärkten Beton, der auch zur Herstellung von CPV und HCPVT Systemen verwendet wird, grosses Potential. „Beton ist ein wichtiger Bestandteil der Systeme und könnte auch für weitere Produktlinien anderer Sektoren von grosser Bedeutung sein“, erläuterte Malnati.

Letztlich ist natürlich die Forschung ein wichtiger Teil der Airlight Energy Group. Das Unternehmen hat bereits mehrere wissenschaftliche Publikation veröffentlicht. Einige von ihren eigenen Mitarbeitern, andere von Studenten der ETH oder der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI).

Die Alumni der OG Ticino entdeckten auf der Besichtigung der Airlight Energy eine interessante Industrie, die sich zurzeit in einer intensiven, herausfordernden Phase befindet und der eine vielversprechende Zukunft im Bereich der grossformatigen, nachhaltigen Energieproduktionssysteme bevorsteht. Zudem ist der Konzern ein interessantes Beispiel dafür, wie sich ein Unternehmen in einem internationalen Kontext bewegen und gleichzeitig geographisch in einer Randzone angesiedelt sein kann.

 
 
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