Eine beeindruckende Baustelle und eine tiefe Schlucht

20.07.2015 | OG Basel Alumni

Von:  Peter Jäger

Die Besichtigung einer Brücke, deren Betonbogen bereits fertiggestellt ist, und eine Tour durch die Taminaschlucht tief darunter - die von Bauingenieur Peter Jäger organisierte Exkursion der Alumni Ortsgruppe Basel übertraf die Erwartungen der 22 Teilnehmenden bei Weitem.

Wettbewerb mit 24 Einsendungen

Nach einem kurzen Fussmarsch von der Postautohaltestelle Pfäfers im Kanton St. Gallen konnte man die Baustelle der Strassenbrücke, die sich über das enge Taminatal zieht, bereits erkennen. Vor allem der hohe, freistehende Kran stach den Alumni sofort ins Auge.  Bruno Vögeli, Projektverantwortlicher des Tiefbauamtes  des Kantons St. Gallen, führte die Alumni durch die Baustelle und erzählte ihnen interessante Details über die Konstruktion der Brücke. „Anhand eines Wettbewerbs unter Brückenbauern entschieden wir uns schlussendlich für diese schlanke Bogenbrücke. Rund 50 Unternehmen forderten die Unterlagen an und zwei Duzend schickten uns einen konkreten Bauvorschlag zurück.“, erklärte er. Über seine Lippen glitten dabei mehrere Superlativen wie schlankster Beton-hohlkastenbogen, höchste Armierungsdichte sowie Europas grösster freistehender Kran. „Letztlich ist die Wahl aus den  eingesendeten Projekten nicht ganz leicht gefallen. Es hatte einige interessante Konstruktionen dabei. Zum Beispiel Sprengwerk-Brücken oder Schrägseilbrücken, die man in Europa nicht häufig findet. Für das vorliegende Bauwerk entschieden wir uns nicht zuletzt, weil diese Art von Tragwerk der gebirgigen Umgebung und den Zufahrtsmöglichkeiten am ehesten gerecht wird.“, erklärte Vögeli den Alumni. „Zudem vermochten auch die ästhetischen Kriterien zu überzeugen.“

36-stündige Betonierarbeiten

Die Abstützungen unter der Brücke, welche zur Zeit in Arbeit sind, verlaufen radial zum Bogen. Diese Architektur ermöglicht die optimale Ausnutzung  der Spannweiten des Überbaus bis zum Bogenzenit. Bis vor wenigen Monaten standen die zwei Seiten des Bogens noch nicht miteinander in Verbindung. Die Baustellen waren voneinander unabhängig und über separate Zufahrten mit der Schlucht verbunden. Während 36 Stunden betonierten die Arbeiter die Fundamente ununterbrochen – eine beeindruckende Leistung. Der Überbau der Brücke wird bis 2017 unter Zuhilfenahme eines Lehrgerüstes in konventioneller Betonbauweise fertig gestellt.

Reise in die Vergangenheit

Nach dem Mittagessen im Schlosshotel Wartenstein holte ein spezieller Bus die Alumni der OG Basel ab. Er führte sie 300m tief unter die Brücke, direkt in die Tamina-Schlucht hinein und damit auch zurück in eine lange Vergangenheit und auf die Spuren von Paracelsus  aus dem 16. Jahrhundert.

Quellenschlucht  
© Stiftung Altes Bad Pfäfers

Die Schluchtenführerin Annemarie Schwitter führte die Gruppe  in die Geheimnisse des Alten Bad Pfäfers  ein und liess die Alumni von der heilenden Quelle mit 36.5° Celsius warmem Wasser trinken. Man munkelt, dass jeder Schluck ein Jahr Gesundheit garantiere. Auf jeden Fall bewirkte er, dass beim nachfolgenden Zvieri im Badhaus der Appetit nochmals in die Höhe schnellte.

Das Wasser soll übrigens 10 Jahre im Untergrund unterwegs sein, bevor es seine heilende Wirkung an der Oberfläche entfalten kann. Eine über 600 Jahre andauernde Tradition der Heilquellen Bad Ragaz und Valens entwickelte sich daraus. Dies ist insofern erstaunlich, als dass der Zugang lange nur von oben über steile Flanken und Abseilstellen möglich war.

Wir danken der Alumni Ortsgruppe Basel und den Mitwirkenden für die Ermöglichung dieser Exkursion.

 
 
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Mon Apr 24 01:19:31 CEST 2017
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