The Invisible Feedback Loop

07.07.2015 | Alumni Chapter New York

Von:  Michael Plottel

Das New York Chapter der ETH Alumni Vereinigung wirkte am diesjährigen New Museum`s Ideas City Festivals mit. Das Ziel des dreitägigen Festivals mit dem Oberthema The Invisible City war die Förderung eines kreativen Austausch von Ideen. The Invisible Feedback Loop, der Beitrag des ETH Alumni Chapters, bot den Besuchern eine öffentliche Ausstellung, Podiumsgespräche und Diskussionen zu der Entwicklung von urbanem Baumaterial, öffentlichen Räumen und Infrastrukturen. 

Die Referenten  
Die Referenten v.l.n.r.: Lorenzo Pagnamenta, Anna Torriani, Felix Heisel & Raymond Schaeffer

Die rund 80 Besucher versammelten sich am 28. Mai 2015 im Rahmen des Festivals im ETH Garden Pavillon, einer Installation der ETH Zürich, die mit dem gewölbten Dach äusserlich an eine alte Basilika erinnerte. Der Pavillon wurde in nur einer Woche ausschliesslich aus weggeworfenen Tetrapack Kartons und Verpackungsmaterialen konstruiert. Die gelungene Installation wurde zum Gesicht und Symbol des diesjährigen Ideas City Festivals und auch der Invisible Feedback Loop war Teil davon.

Jürg Brunnschwiler, Direktor von ETH Global und Werner Kaufman, Co-Präsident des ETH Alumni Chapters in New York, begrüssten die Besucher der abendlichen Besichtigung und führten sie in das Projekt ein. Gleich zu Beginn kam die unausweichliche Frage auf: Was genau ist denn der Invisible Feedback Loop? Referenten aus den Gebieten der Architektur lieferten im Verlauf des Abends unterschiedliche Inputs zur Beantwortung der Frage.

Der Bau des ETH Zürich Pavillons.

Städte aus Abfall bauen

Felix Heisel, Forscher im Bereich der Architekturkonstruktionen an der ETH Zürich und Dirk Hebel, Co-Autor des kürzlich erschienenen Buches „Building from Waste“ – also „Bauen mit Abfall“ - , eröffneten den Loop mit einem Appell, Abfallstoffe für die Entwicklung zukünftiger Städte wiederzuverwenden. „Wie werden wir zukünftige Städte bauen, wenn Feststoffabfälle proportional zur Bevölkerung wachsen? Abfall ist wiederverwendbar und kann genutzt werden, um Wachstum zu unterstützen. Städte der ersten Welt sollen ihre Abfalldeponien wieder öffnen, um seltene Materialen von elektronischem Abfall zu trennen und abzubauen“, erklärte Heisel. Anhand neuer Verfahren und biologischen Prozessen soll das Leben von wiederverwertbarem Material verlängert und die Kultivierung von neuen Materialien aus Abfall erreicht werden.

Berücksichtigung des Kontexts

Die beiden ETH Alumni Anna Torriani, die mit Werner Kaufmann zusammen das ETH Alumni Chapter in New York führt, und Lorenzo Pagnamenta hielten das erste Referat. Gemeinsam gründeten sie APT Architecture und verdienten sich ihren Ruf aufgrund ihres aktuellen Portfolios von öffentlichen Gebäuden in New York City und auf der ganzen Welt. Die Architekten sind äusserst erfahren, wenn es um die optimale Ausschöpfung und die Transformation der Eigenheiten eines Ortes geht. „Wenn wir einen Bau planen, versuchen wir immer, den Kontext zu berücksichtigen. Die Geschichte, die Landschaft, das Sonnenlicht, das Klima, die Bevölkerung und die vorhandenen Materialien involvieren wir - wenn möglich - in unsere Architekturpläne“, erklärten die Referenten. Sie stellten zwei ihrer beeindruckenden architektonischen Projekte vor: die Mariner`s Harbor Library in New York City und die Lebanese American University Library in Byblos, Libanon.

ATP konstruierte die Mariner`s Harbor Library in einer Appartementgegend in New York City. Früher stand dort ein Bauerndorf mit Austernfarmern, heute liegt die Bibliothek zwischen einem Wohngebiet und einer Industriezone. Das Unternehmen orientierte sich im Design der Bibliothek an der historischen Begebenheit des Ortes und konstruierte eine Gallery, die sich von Ost nach West zieht. Sie trennt den öffentlichen Leseraum von den eher privaten Räumen für Meetings, die Administration und weitere Supportbereiche. „Das Projekt hatte nur ein kleines Budget. Wir haben darum eher einfache Materialien verwendet. Obwohl sie simpel sind, sind sie durchaus effektiv - wenn man bedenkt, dass die Bibliothek den ganzen Tag über ganz ohne künstliche Beleuchtung auskommt.“, erläuterten die Referenten. Die Bibliothek werde rege genutzt und auch von ihrer ursprünglichen Gemeinde geschätzt. Pensionierte treffen sich am Morgen zum Plaudern, Schulkinder kommen am Nachmittag zum Ausruhen und Verweilen. Die letzten Klienten verlassen die Bibliothek erst nach Sonnenuntergang.

Lorenzo Pagnamenta und Anna Torriani  
Lorenzo Pagnamenta und Anna Torriani

Neue Umsetzungen des öffentlichen Raums

APT entwarf zudem die Füllmenge für die Lebanese American University Library in Byblos. „Die Bibliothek befindet sich in idealer Distanz zu einer angrenzenden Felswand, sodass wir einen neuen, unerwarteten öffentlichen Raum schaffen konnten.“, erklärte Torriani. Dieser besteht aus einem abgedunkelten Amphitheater und einem Garten, der durch einen Durchgang direkt mit der Bibliothek verbunden ist. Ein Atrium bildet das Herzstück des Innenraumes. Die Architekten kombinierten das Tageslicht mit natürlichen Ventilatoren, die eine konvektive Luftbewegung vom Boden bis an die Decke verursachen und so den ganzen Raum beleuchten und belüften. Eine ausgeklügelte Doppelschutzfassade transportiert die Wärme weg von den stark frequentierten, erwärmten Plätzen. Alte Briefe dekorieren die Innenwände der Bibliothek - eine Hommage an Phoenician Byblos, die antike Kultur, die uns das Alphabet gebracht hat.

Rezept für die Stadt der Zukunft

Raymond Schaeffer, Senior Vize Präsident der MTA Capital Construction Company, nahm sich dem letzten Teil des Invisible Feedback Loops an. Mit den Idealzutaten für eine Stadt der Zukunft weckte er die Aufmerksamkeit der Zuhörer: „Für eine grossartige Stadt braucht es Unterkünfte, öffentliche Räume, Grünflächen, Handel, Bildung, Kultur und einen effektiven Staatsapparat. Zentral ist zudem die Konstruktion einer Infrastruktur für Verkehr, um all diese Systeme zu ermöglichen und miteinander zu verbinden.“ Schaeffer zeigte und kommentierte zudem beeindruckende Statistiken: „Die NYC Metropol Region beinhaltet ungefähr 20 Millionen Menschen und generiert elf Prozent des Bruttoinlandproduktes der USA. Es ist die elftgrösste Wirtschaft der Welt und sie ist noch immer am Wachsen.“ Er betonte, dass dies nur möglich ist aufgrund des umfangreichen, systematisch geplanten Verkehrswesens.

Die Zukunft wird zunehmend unterirdisch

So ist seine MTA Capital Construction Company für die neuesten Verkehrserrungenschaften in New York verantwortlich: ein Anschluss der Ostseite der Long Island Eisenbahn an das Grand Central Terminal, die Erweiterung der IRT 7 Linie, die Eröffnung der Second Avenue Metro und die Durchgangsstation an der Fulton Street - alle unterirdisch. „Diese Entwicklung entspricht der Idee des Invisible Feedback Loops und ist repräsentativ für die neuen, signifikanten aber unsichtbaren Strukturen.“, meinte Raymond Schaeffer. Ergänzend beschrieb er die urbanen Planungsziele und die logistische Planung, die für die Realisierung dieses massiven Stücks Arbeit benötigt werden. Er zeigte Videos von Tunnelbohrungen, Ausbruchsarbeiten an der Kaverne und Felssprengungen. Diese wirkten noch beeindruckender, wenn man sich bewusst war, dass das Ganze unsichtbar ist für die stark befahrenen Strassen darüber.

Abschliessend demonstrierte Schaeffer die Wechselbeziehung zwischen der Verkehrsinfrastruktur und zukunftsfähigem Wachstum. „Es benötigt eine ausgeklügelte finanzielle und regulatorische Technik, um die Investition in diese Mega-Projekte zu sichern.“, erklärte er. Die von ihm gezeigten Bilder der gewölbten Höhlen für neue U-Bahnen erinnerten an die etwas kleinere Höhle, die unsere Versammlung beherbergte. Der ETH Zürich Pavillon wurde aus Abfallmaterialien des heutigen New York gebaut. Der Invisible Feedback Loop aber widmete sich nicht primär den Materialien, sondern deren optimierten Verwertungsmöglichkeiten. Öffentliche Räume und Infrastrukturen sollen so konstruiert und Materialien so lokalisiert und platziert werden, dass daraus dynamische Städte der Zukunft entstehen.

Speakers  
V.l.n.r.: Daniel Schaufelberger, Werner Kaufmann, Lorenzo Pagnamenta, Anna Torriani, Ray Schaeffer, Felix Heisel & Jürg Brunnschweiler

Der Autor Michael Plottel ist Architekt. Er hat sich im Bereich der Grossproduktion spezialisiert. Er ist im Projektvorstand des New York City Department of Design and Construction und Ko-Chair des AIA Public Architects Committee.

 
 
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25.06.2017
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