„Die Zusammenarbeit mit der Industrie ist zentral für unsere Hochschule“

02.10.2015 | Alumni Alliance

Von:  Muriel Fischer

Wie gelangt eine gute Idee aus der Forschung in die Industrie? Am Industry Day der ETH Zürich konnten sich Vertreter aus den Entwicklungsabteilungen der Industrie aus erster Hand über die aktuelle Forschung der ETHZ informieren und persönlich mit den Wissenschaftlern in Kontakt treten.

„Der Transfer von Technologien in die Industrie ist neben der Forschung und der Lehre die dritte Kernaufgabe der ETH. Die Zusammenarbeit mit der Industrie ist deshalb zentral für unsere Hochschule“, erklärt Daniel Auerbach, Mitorganisator des Industry Days. Am Industry Day stellten jeweils vier Professorinnen und Professoren ihre aktuellen Forschungsresultate aus den Bereichen Sensorik, Robotik, Systembiologie und personalisierte Medizin in Kurzreferaten vor.

Rund 350 Personen, ca. ein Drittel mehr als im Vorjahr, erschienen am 25. August an der ETH Zürich zum Industry Day 2015. Nach der Begrüssung der Gäste im Audimax durch Prof. Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich, und Hans Hess, Präsident Swissmem, folgten die Kurzpräsentationen in den ersten beiden Themenbereichen Sensorik und Robotik. Eine kurze Videoeinführung eröffnete jeden Themenblock.

Das Wichtigste ist die Leidenschaft

Auch Clara Beck stellte ihre Idee im Rahmen der Session Entrepreneurship im zweiten Teil der Veranstaltung vor. Sie hat Maschineningenieurswissenschaften studiert und entwickelte das so genannte TapTool. Das Gerät soll den Prozess der Betonierung auf Baustellen verkürzen. Es misst vor Ort, ob der Beton hart genug ist, um die Schale zu entfernen und verhindert so eine überflüssig lange Wartezeit. „Ich bin davon überzeugt, dass ich ein sehr gutes Produkt habe“ sagt sie. „Heute will ich herausfinden, ob in der Industrie auch tatsächlich eine Nachfrage dafür besteht.“ Beck ist Trägerin eines Pioneer Fellowships der ETH Zürich. Das Pioneer Fellowship der ETH Zürich unterstützt Forscher bei der Entwicklung von innovativen Produkten oder Dienstleistungen finanziell und operativ auf dem Weg zu einem Spin-off. "Neben der finanziellen Unterstützung - die natürlich extrem wichtig ist und ohne die es nicht geht - haben wir Kontakt zu professionellen Coaches, Zugang zu Büroräumen und erhalten sogar Hilfe von einer professionellen Designagentur“, so Beck. Und welche Tipps hat die junge Forscherin für andere, die mit ihrer Idee in die Industrie wollen? „Das Wichtigste ist die Leidenschaft. Man muss ein Projekt haben, hinter dem man mit Herz und Verstand stehen kann“, ist sich Beck sicher.

Clara Beck  
Clara Beck während ihrer Präsentation am Industry Day 2015
Mattias Ivarsson  
Mattias Ivarsson vor dem ETH Hauptgebäude

Die Nachfrage der eigenen Idee prüfen

In der einstündigen Kaffeepause und dem an die Referate anschliessenden Apéro konnten sich die Vertreter der Industrie und die Forscher über die Ideen aus den Präsentationen und ihre mögliche Nutzung für die Industrie unterhalten. Auch Mattias Ivarsson – ebenfalls Pioneer Fellow – ist sich den Vorteilen eines solchen Anlasses bewusst: „Am Industry Day kann ich meine Forschung einem grösseren Publikum bekannt machen und zudem prüfen, ob meine wissenschaftliche Idee tatsächlich kommerzielles Potential hat.“ Ivarsson stellte sein Molekül vor, das einen der häufigsten Krankenhauskeime bekämpfen soll. Er besucht mehrere Veranstaltungen im Jahr, um sein Netzwerk auszubauen und seine Idee unter die Leute zu bringen. „Am Industry Day sind jedoch auffallend viele Vertreter aus dem höheren Management präsent – das sind sehr wichtige Personen für uns.“

Gegenseitiger Nutzen

Pro Jahr werden rund 300 Kooperationen zwischen der Industrie und der ETH Zürich initiiert. „Diese Zusammenarbeit ist sehr wichtig für beide Seiten. Die Firmen profitieren vom Know-how und den Innovationen unserer Wissenschaftler, die ETH hingegen erhält dadurch wertvolle Inputs zu den Trends aus der Industrie“, erklärt Daniel Auerbach. Der Industry Day ist darum auf beiden „Seiten“ sehr beliebt. „Ich komme jedes Jahr hier hin. Die Motivation liegt für mich darin, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende aufrecht zu erhalten. Zudem komme ich persönlich immer gerne an die ETH zurück. Der Industry Day ist in diesem Sinne doppelt schön: Ich erhalte den Link zur ETH aufrecht und tue zugleich etwas für meine Businesskontakte“, erläutert Samuel Halim, ETH Alumnus und CEO von Nanograde. Auch für Clara Beck ist der Kontakt zur ETH  und anderen ETH Alumni sehr wichtig. „Die Zeit während des ETH Studiums war für mich eine Schule fürs Leben. Es war eine harte Zeit. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ich heute nicht die gleiche Person wäre ohne meine Ausbildung an der ETH. Ich bin sehr stolz darauf, ETH Alumna zu sein.“

Ein konkretes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung ist das Projekt der ETH juniors. Felix Liebl, Präsident des Vereins, beschreibt in seiner Präsentation, wie die ETH juniors mit der Industrie zusammenarbeiten. Er zeigt eine beeindruckende Liste von Marken, mit denen sie bereits gearbeitet haben. Der letzte Block der Veranstaltung besteht aus vier ausgewählten Highlights aus der ETH Zürich. So stellt beispielsweise Prof. Edoardo Mazza das Projekt Zurich Heart vor, bei dem Ingenieure und Mediziner zusammen an der Verbesserung von Herzgeräten arbeiten.

Haben die neuen Kontakte Bestand?

Der Industry Day liefert sehr viele Informationen über die ETHZ und ihre aktuelle Forschung in sehr kurzer Zeit. Doch werden dann auch tatsächlich businessrelevante Kontakte geknüpft? „Bis jetzt habe ich jedes Jahr Kontakte geknüpft, aus denen eine weitere Zusammenarbeit entstanden ist“ sagt Halim. „Ich schaue mir vorgängig jeweils das Programmheft an und weiss so ziemlich genau, welche Person mit welcher Idee ich kontaktieren will. Essentiell ist dabei vor allem die grosszügig berechnete Zeit für Kaffeepause und Apéro“, so Halim. Auch die Forscher informieren sich jeweils schon vor dem grossen Tag und suchen jene Industrievertreter heraus, mit denen sie Kontakt aufnehmen wollen. Nach dem Vortrag von Clara Beck kommen gleich zwei Vertreter aus der Industrie auf sie zu und überreichen ihr eine Visitenkarte – ein vielversprechender Abschluss eines interessanten Tages und vielleicht der Anfang einer neue Zusammenarbeit.

 
 
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