Nukleare Energie: auf dem Weg in eine strahlende Zukunft?

18.11.2015 | Alumni Focus

Von:  Nina Bader

Am Montag 9. November 2015, lud die ETH Alumni Vereinigung zum Focus Event „Nukleare Energie – Auf dem Weg in eine strahlende Zukunft?“ ein. Die Veranstaltung sorgte schon im Vorfeld für Diskussionen und entsprechend gross war das Interesse.

Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft fanden zum ETH Alumni Focus Event ihren Weg an die ETH Zürich. Der Titel des Anlasses hatte schon im Vorfeld für grosses Interesse gesorgt und so war es nicht verwunderlich, dass die Veranstaltung ausgebucht war. Unter den Gästen sassen Ingenieure, die schon beim Bau der AKW Beznau und Leibstadt dabei waren, aber auch Studierende, junge Absolventen und Kritiker.
Den Abend eröffnete der ETH-Professor Horst-Michael Prasser mit seinem Vortrag „Energie am Ende oder am Ende Energie?“. Prasser legte den Fokus auf die wissenschaftlichen Aspekte des Themas, um damit eine Grundlage für die anschliessende Diskussion zu legen. Sein Vortrag behandelte denn auch im Wesentlichen die physikalischen Hintergründe zur Kernenergie.

Kritische Worte bei der Podiumsdiskussion

In einem zweiten Teil kam es zu einer Podiumsdiskussion zwischen Horst-Michael Prasser und dem Verwaltungsratspräsidenten der axpo, Robert Lombardini, moderiert von Tony Kaiser, Präsident der Eidgenössischen Energieforschungskommission CORE. Robert Lombardini fand sehr kritische Worte zur Schweizer Strategie der Energiewende. Er beschrieb die neusten Entwicklungen, die sich seit Fukushima durchgesetzt haben, als unüberlegt. So seien die Massnahmen zur Energiewende von Teilen der Regierung, die eine opportunistische, politische Haltung vertraten, unterstützt worden. „Der Wahn ist kurz, die Reue lang, aber die Schweiz spielt sowieso keine Rolle“ sagte er provokativ. Lombardini geht davon aus, dass der Weg, den Deutschland (und auch die Schweiz) gewählt haben,  kaum als Vorbild für andere Nationen dienen wird.

Tony Kaiser sprach auch mit Horst-Michael Prasser über die Möglichkeit, einen „grünen Reaktor“ zu entwicklen. Der ETH-Professor ist der Meinung, dass Kernenergie durchaus grün ist, das würden die die Umweltbilanzen zeigen: „Wenn ich Kernenergie mit Kohle vergleiche“, sagte er, „sagen mir die Leute oft, dass man das nicht vergleichen kann, wir wollen Kernenergie ja durch erneuerbare Energie ersetzen. Wenn man dann aber genau schaut, womit die Kernenergie in Deutschland gerade ersetzt wird, dann ist es fossile Energie – dann stimmt ja mein Vergleich wieder.“ Seiner Meinung  nach ist Kernenergie ökologisch. Die Herausforderung sei aber,  sie sicher zu betreiben. Die Schweiz habe aber durchaus die technischen Möglichkeiten dafür.

Generationenkonflikt und lösungsorientierter Diskurs

Am Ende verweilten die Gäste zu einem Apéro, um sich über das eben Gehörte auszutauschen.  Zwei jüngere Alumni sprachen über den Generationenkonflikt. „Wir glauben, dass diese Veranstaltung einen Generationenkonflikt aufzeigt. Die ältere Generation sieht das Thema nukleare Energie noch anders, auch historisch bedingt viel weniger kritisch. Unsere Generation hingegen und die kommenden werden mit ganz neuen Problemen konfrontiert werden. Europa verändert sich durch die Finanzkrise, die Überalterung, die Migration, der Energiebedarf wird weiter steigen. Wir haben das Gefühl, dass diese Faktoren auch die Politik im Bereich der Nuklearenergie stark prägen werden.“

Andere Besucher diskutieren darüber, ob es an einer kritischen Stimme an diesem Podiumsgespräch gefehlt habe. Dennoch verteidigte einer der Alumni diesen Ansatz: „Wenn heute Abend auch ein Nuklear-Gegner am Podium teilgenommen hätte, wäre es zu einer rein ideologischen Diskussion gekommen. Es hätte einen Schlagabtausch zwischen Pro und Contra gegeben und ein lösungsorientierter Diskurs wäre kaum möglich gewesen.“ Er betonte im Gespräch immer wieder, wie wichtig aber ein solcher Diskurs zum Thema sei.

Zum Ende schloss Robert Lombardini das Podium mit den provokanten Worten: „In der Schweiz werden wir wieder an die Kernenergie denken, wenn wir im Winter im Dunkeln kalt duschen müssen.“ Dann brauche es gute Konzepte, die dem industriellen Gedanken gerecht werden. Die Frage bleibt bestehen, ob die Schweiz nicht in der Lage ist, durch die bereits beschlossene Strategie der Energiewende genau dieses Problem lösungsorientiert und zukunftsgerichtet anzugehen und so eine Stromlücke zu vermeiden.

 
 
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