Adieu Karriereplanung

10.12.2015 | Alumni Career

Von:  Nina Bader

Im Rahmen der Langen Nacht der Karriere hatte die ETH Alumni Vereinigung zum Event „Adieu Karriereplanung“ eingeladen. Der Anlass stiess auf reges Interesse bei den Studierenden und Absolventen. Bei der Präsentation von Martin Ghisletti, Leiter des ETH Career Center, ging es um die Veränderungen am Arbeitsmarkt, die Herausforderungen für jeden Einzelnen und die Möglichkeiten, seine Karriere aktiv zu gestalten.

Adieu Karriereplanung  
Ghisletti im gut gefüllten Vorlesungssaal

Martin Ghisletti eröffnete den Vortrag mit der Frage: „Wer hatte nach seinem Studium einen klaren Plan, was er machen möchte? Und wer ist jetzt auch etwa dort, wo es damals geplant war?“, Die Zuhörer brachen in Gelächter aus, die Meisten sind noch lange nicht dort, wo sie eigentlich sein wollen.

Auf dem Arbeitsmarkt finden Veränderungen statt, eine langfristige Planung erscheint in diesem Kontext fast unmöglich. Die Karriereplanung unserer Eltern – 30 Jahre im gleichen Betrieb – ist heute undenkbar. Das liegt zum einen an den Ansprüchen der Wirtschaft, zum anderen aber auch an den Anforderungen der Jobsuchenden. Bei einer Umfrage bei den ETH-Absolventen im letzten Masterjahr hat sich ergeben, dass für 70% ein sicherer Job sehr wichtig ist, während gleichzeitig 86% betonten, dass es für sie nicht wichtig sei, längere Zeit beim gleichen Arbeitgeber zu sein. Das kann in einem Widerspruch stehen, muss aber nicht. Man möchte Klarheit und eine gewisse Sicherheit, aber eine Loyalität zu einer Firma gibt es dabei nicht mehr.

Triggerpoint – Mut etwas Neues auszuprobieren

Im heutigen Arbeitsumfeld ist es wichtig, Veränderungen eine Chance zu geben. Um diesen Standpunkt zu veranschaulichen, stellte Martin Ghisletti vier Persönlichkeiten vor, bei denen ein Triggerpoint ihre Karriere entscheidend verändert hat. Triggerpoints sind Ereignisse, die die persönliche Karriere in eine neue Richtung lenken können. Martin Ghisletti sprach von einem Studienfreund, der von der Finanzindustrie zum Gesundheits- und Ernährungscoach wurde, einer Unternehmensberaterin, die eine Yogaschule eröffnet hatte und heute Executive Coach ist oder von einem CEO, der durch einen ganz verzwickten Zufall zu seinem heutigen Arbeitgeber gekommen ist.

Aus diesen Geschichten leitete Martin Ghisletti fünf Punkte ab, die es braucht, um seine eigene Karriere zu beeinflussen. Der Mut Neues auszuprobieren, der „glückliche“ Zufall, die eigene Flexibilität, Hartnäckigkeit und ein gewisse Belastbarkeit. Ausserdem ist die Auslegung einer erfolgreichen Karriere eine individuelle Angelegenheit, Erfolg ist nicht für jedermann das Gleiche.

Die vier vorgestellten Persönlichkeiten sprachen alle von einem Triggerpoint, der ihre Karriere entscheidend verändert hat. Aber entscheidend waren die teilweise bewussten sogenannten Experimente, als sie zum Beispiel neben dem Job oder in der Firma ergänzend neue sogenannte Identitäten ausprobiert hatten. Rückblickend waren die Erfahrungen aus diesen Experimenten massgebend, am Tag des Triggerpoints den richtigen Entscheid zu fällen.

Stehen bleiben kann auch ein Risiko bedeuten

Martin Ghisletti referierte allerdingt nicht nur über die Theorie und Beispiele, er forderte er die Zuschauer auf, sich zu fragen, welche ihre verschiedenen Identitäten seien. Über sich selber meinte Martin Ghisletti zum Beispiel, dass er Menschen gerne berate und unterstütze in ihrer persönlichen Entwicklung, ein Sport- und Naturmensch sei, gleichzeitig aber auch Familienvater, er fotografiert gerne und manchmal sei er auch einfach ein Faulenzer. Es wird nicht möglich sein, alle persönlichen Identitäten in einem Job zu vereinen, aber es gibt uns die Möglichkeit, mit unseren verschiedenen Identitäten ein wenig zu experimentieren und neues auszuprobieren. Experimentieren bedeutet in diesem Fall, mit Menschen zu reden, die einen bestimmten Job ausführen, neue Dinge auszuprobieren, seinen Horizont und sein Netzwerk zu erweitern. An einem gewissen Punkt kommt es dann vielleicht zu diesem Triggerpoint und man bewirbt sich für einen neuen Job oder beginnt eine neue Ausbildung, die genau die Verbindung von zwei oder mehreren Identitäten darstellt. Dabei fällt auch der Begriff „Intelligentes Risiko“ bei dem es darum geht, auch mal ein Risiko einzugehen. Wir sollten nicht vergessen, dass stehen bleiben auch ein Risiko mit sich bringen kann.

Zum Schluss gibt Martin Ghisletti den Zuhörern einen Rat auf den Weg: Probleme lassen sich manchmal viel einfacher lösen, wenn man sich selber die richtigen Fragen stellt, anstatt nach Antworten zu suchen.

 
 
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