Wie können wir nachhaltiger mit seltenen Metallen umgehen?

07.12.2015 | Materials Alumni

Von:  Sara Morgenthaler

Am 17. November trafen sich die Materials Alumni zur allhalbjährlichen Reunion an der ETH Zürich, um mehr über den nachhaltigen Umgang mit seltenen Metallen zu erfahren. Patrick Wäger von der Abteilung Technologie und Gesellschaft der EMPA St. Gallen gab einen spannenden Überblick über die Problemstellung und präsentierte mögliche Lösungsansätze. Schon ganz zu Beginn machte er klar, dass wir alle gefordert sind und es keine einfachen Lösungen gibt.

Andalusien  
Bild: Miro Kobas

Im ersten Teil seines Vortrags veranschaulichte Patrick Wäger, weshalb gewisse Metalle als kritisch eingestuft werden: „Als kritisch gelten sie, wenn das Risiko eines Versorgungsunterbruchs hoch ist und wenn ein solcher grosse Auswirkungen z.B. auf ein Unternehmen oder die Volkswirtschaft hat.“ Dabei stehe zwar die Versorgungssicherheit im Vordergrund, es gebe aber vermehrt Bemühungen, auch ökologische und soziale Aspekte einfliessen zu lassen. So hört man immer häufiger von sogenannten Konfliktmineralien, aus denen insbesondere Metalle wie Tantal, Wolfram und Zinn, aber auch Gold gewonnen werden. Weiter führte Wäger aus: „Die Abgrenzung kritischer von unkritischen Metallen ist nicht unumstritten, da sie auch subjektive bzw. politische Entscheide erfordert“. Als konkretes Beispiel für ein Projekt mit Beteiligung der Empa stellte er den Metal Risk Check vor. Mit diesem Webtool können Schweizer Unternehmen abklären, wie gross ihre Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen ist. Je nach Resultat liefert die Website sogleich Tipps zu strategischen Massnahmen, um das Problem anzugehen.

Patrick Wäger  
Patrick Wäger präsentiert die ökologischen Aspekte im Umgang mit kritischen Metallen.

Im zweiten Teil der Präsentation stellte Patrick Wäger die zwei grundlegenden Bedingungen vor, die an den Umgang mit kritischen Metallen geknüpft sind. „Einerseits soll man die Rohstoffvorkommen möglichst schonen, andererseits müssen die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen während des Lebenszyklus der Rohstoffe soweit möglich minimiert werden“. Eine Möglichkeit bietet das Recycling. Durch die zunehmende Verlagerung der Rohstoffe von der Geosphäre in die Technosphäre kommt dabei dem Recycling eine immer wichtigere Rolle zu. „Der Gehalt an Gold in Leiterplatten von Mobiltelefonen kann beispielsweise gut um den Faktor 150 höher sein als in einer Goldmine in Südafrika“, führte Wäger aus. In der Abteilung Technologie und Gesellschaft der EMPA wird unter anderem untersucht, inwieweit die Rückgewinnung kritischer Metalle aus Elektroschrott technisch machbar, ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar ist. Heute wird der Elektronikschrott zwar gesammelt, die Alumni waren aber erstaunt über die Tatsache, dass die Recyclingrate bei Indium und Tantal im Moment noch nicht einmal im Prozentbereich liegt. „Das Forschungsprojekt der Empa hat gezeigt, dass es technisch möglich ist, Indium und Neodym aus Elektronikaltgeräten zurückzugewinnen und dass es auch ökologisch Sinn macht. Letztendlich muss das Recycling aber auch finanzierbar sein“, so Wäger. „Mit Hilfe eines systemdynamischen Modells haben wir gezeigt, dass für eine Indium-Rückgewinnung aus Elektronikaltgeräten die heute schon erhobene vorgezogene Recyclinggebühr um weniger als 50 Rappen pro Gerät erhöht werden müsste.“ Auch wenn solche Abschätzungen mit einigen Unsicherheiten behaftet sind, seien sie doch sehr wichtig und müssen auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Obwohl es noch viele weitere konkrete Ideen gibt, wurde klar, dass sich die Gesellschaft grundsätzlich Gedanken zu diesem Thema machen muss. „Sind wir nicht geradezu verpflichtet, jene Rohstoffe, die wir aus dem Boden geholt haben, im Kreislauf zu führen? Wie weit müssen wir dabei gehen und welche Rahmenbedingungen brauchen wir dafür? Ist es am Bürger bzw. Konsument, der Wirtschaft oder dem Staat, dies zu entscheiden? Solchen Fragen müssen wir uns stellen“, erläuterte Wäger.

Apero  
Die Alumni diskutieren im Anschluss an die Präsentation über die neu gewonnen Einblicke in das Thema.

Weitere Einblicke in das Thema gibt ein Besuch der focusTerra Ausstellung BodenSchätzeWerte, die noch bis zum 28. Februar 2016 an der ETH läuft. Aus zeitlichen Gründen konnten die Alumni diese im Anschluss an den Vortrag leider nicht besuchen. Jedoch wird sicherlich der eine oder andere Alumni an einem anderen Tag den Weg in die Ausstellung finden.

 
 
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