ETH Alumi in Singapore wagen sich an ein Megaexperiment.

29.01.2016 | Alumni Chapter Singapore

Von:  Katja Fink

Die Herausforderung war gross: Über 43‘000 Schüler aus 128 verschiedenen Schulen während vier Tagen mit einem Sensor auszustatten, der ihnen eindrücklich aufzeigt, welchen Einfluss ihre Wahl des täglichen Transportmittels auf den persönlichen CO2 -Fussabdruck hat, wie ihr Fitness-Level ist, wie viel Zeit sie draussen verbringen und der ihnen gleichzeitig noch viele weitere spannende Lektionen über „personal big data“ vermittelt.

Die Forschungsleiter zeigen den ETH Alumni die speziell hergestellten Sensoren
Die Forschungsleiter Dr. Erik Wilhelm (2. v. links) und Dr. Nils Tippenhauer (3. v. links) zeigen Singapore Chapter Vize Präsident Dr. Hans Jaeger (Mitte) und weiteren Alumni die speziell hergestellten Sensoren.

Dieses bahnbrechende „National Science Experiment“ wurde von zwei an der Singapore University of Technology and Design (STUD) forschenden ETH Alumni – in Zusammenarbeit mit dem Singapore Science Center und dem Institute for High Performance Computing – geplant und durchgeführt. Sie wurden dabei vom nationalen Bildungsministerium und der National Research Foundation tatkräftig unterstützt. Der Forschungsleiter, Dr. Erik Wilhelm, doktorierte am Paul Scherrer Institute während sein Co-Forschungsleiter, Dr. Nils Ole Tippenhauer, seinen Abschluss als Dr. sc. in Computer Science an der ETH Zürich machte. Beide Forscher sind aktuell als Assistenzprofessoren am STUD tätig. Das STUD ist die vierte autonome Universität in Singapur und arbeitet mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) zusammen.

50‘000 Sensoren für rund 43‘000 Schüler

Dr. Wilhelm und Dr. Tippenhauer luden die ETH Alumni in Singapur ein, den brandneuen STUD Campus sowie ihr „National Science Experiment“ kennenzulernen. Dabei faszinierten die beiden Forscher mit tiefen Einblicken in ihre Forschung: Die knappe Zeitspanne zwischen Planung und Implementierung und die Entwicklung des ganzen Designs sowie des Prototyps waren einige Herausforderungen, denen sie im Laufe des Experimentes begegneten, bevor sie schliesslich die rund 50‘000 Sensoren produzieren konnten, die die Schüler tragen sollten. Die rund 43‘000 teilnehmenden Schüler, von der Primarstufe bis zum College, gingen durchschnittlich 5‘800 Schritte pro Tag und verbrachten 1.1 Stunden an der frischen Luft. Die meisten von ihnen benutzen öffentliche Transportmittel für ihren Schulweg und ihr CO2-Fussabdruck war entsprechend klein. Ein Umstand, der erstaunt, da der tägliche Stau vor den Schulen den Eindruck hinterlässt, dass ein Grossteil der Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringt, was jedoch bei der grossen Mehrheit nicht der Fall zu sein scheint. Um den Standort der Schüler zu lokalisieren, benutzen die Forscher nicht GPS, sondern orteten sie anhand von WiFi Access Points, die sich automatisch mit den Sensoren verbanden, sobald die Schüler in der Nähe waren.

2.	Dr. Tippenhauer zeigt den ETH Alumni sein sWat Labor
Dr. Tippenhauer zeigt den ETH Alumni sein sWat Labor

Grosses Potential in den erhobenen Daten

Nicht nur konnte mit dem Experiment das Ziel erreicht werden, die teilnehmenden Schüler über ihre Bewegungsaktivitäten und dem damit verbundenen Einfluss auf ihren CO2-Fussabdruck aufzuklären, die entstandenen Daten sind auch für Forscher hochinteressant: Nur ein Teil der Millionen von Daten wurden bis jetzt analysiert und es gibt weiterhin einen riesigen Schatz an Informationen, der darauf wartet, entdeckt zu werden. Der Datensatz ermöglicht auch zu untersuchen, wie Daten möglichst genau publiziert werden können und dabei die Privatsphäre der Teilnehmer gewahrt wird. Nach dem Erfolg ihres Experiments planen Wilhelm und Tippenhauer bereits ein weiteres für das Jahr 2016. Um den Schülern eine neue Herausforderung zu bieten, wird das 2016-Experiment nicht nur die Zahl der Schritte messen, sondern auch die Zahl der Treppen, die sie besteigen. Der Autor dieses Artikels vermutet jedoch, dass dies nicht allzu viele sein werden, da die Gebäude in Singapur immer höher und höher gebaut werden – durchschnittlich 40 Stockwerke zählen die neusten Wohnhäuser, ein Faktum, der das Treppensteigen erschwert. Aber wer weiss, vielleicht überraschen uns die Schüler erneut!

 
 
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