Mit dem Fahrrad nach Indien

20.01.2016

Von:  Nina Bader

ETH Alumnus Matthias Trüb hatte nach seinem Bachelor ganz spezielle Pläne: Er fuhr mit dem Velo von Hettlingen (ZH) nach Indien. Heute ist Matthias Trüb in Indien, hat seine Spenden-Velotour gut überstanden und unterrichtet an einer Schule im Süden des Landes.

Matthias Trüeb mit seinem Velo  
Matthias Trüeb mit seinem Velo 

Matthias ist in Indien angekommen und arbeitet heute in einer Schule in Vediyappanur. Dort versucht er, sich durch die kleinen Hürden des indischen Alltags zu schlagen. Im Februar 2016 geht es für Matthias zurück in die Schweiz. Doch bevor er wieder zurückkommt, wollen wir wissen, wie denn nun seine Reise war und wie er das Leben in Indien miterlebt.

Du hast es bis nach Indien geschafft und das mit dem Velo. Welches Erlebnis bleibt dir in ganz besonderer Erinnerung?

In besonderer Erinnerung bleiben wird mir mein Wochenende im überschaubaren Lahna in der Türkei. Ich suchte einen Platz für mein Zelt, als ich einige Jugendliche im Schatten eines Baumes entdeckte. Ich wurde freundlich begrüsst und gleich zu einem Bier eingeladen. Mit Händen und Füssen und etwas Englisch versuchte ich ihnen zu erklären, dass ich hier gerne mein Nachtlager aufschlagen möchte. Sie sagten mir, dies sei zwar möglich, doch sicherlich nicht gemütlich. Stattdessen solle ich mit ihnen mit kommen und im Dorf übernachten. Wir verbrachten den ganzen Abend zusammen und erzählten aus unserem Leben. Ein paar Tage später wurde eine Hochzeit gefeiert, zu der ich auch gehen durfte, es war fantastisch. Die neuen Freundschaften pflege ich dank Whats App noch heute.

Gab es auch negative Ereignisse?

Mein Unfall in Bafra am Schwarzen Meer. Ich wurde von einem Auto angefahren. Mein Fahrrad, meine Kamera und mein Tablet wurden zerstört, doch ich überstand den Unfall nahezu unbeschadet. Anfangs war ich traurig über den Verlust der Bilder, in der Zwischenzeit bin ich aber einfach froh, dass mir nichts passiert ist.

Wie war die Unterstützung auf deiner Reise von Menschen zu Hause und unterwegs?

Schon vor meiner Reise sicherten mir verschiedene Firmen materielle Unterstützung. Ein Freund mit slowenischen Wurzeln erzählte mir viel über seine Kultur,dadurch fiel mir der Einstieg in die Balkanländer einfacher. Trotzdem war ich sehr zurückhaltend beim Einholen von Tipps, da ich möglichst unvoreingenommen meine persönlichen Erfahrungen sammeln wollte. Unterwegs erhielt ich fast immer die benötigte Unterstützung. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle das iranische Volk. Täglich wurden mein Vater und ich zu einer Tasse Tee eingeladen und meistens mussten wir auch gleich zum Abendessen bleiben. Hin und wieder wurde uns von Autofahrern unterwegs frische Früchte oder eine Flasche Wasser überreicht. Besonders in der Wüste waren wir dafür sehr dankbar.

 „The Hindu“ schrieb einen Artikel über dich. Wie gross ist das Interesse an deiner Person in Vediyappanur?

Vediyappanur ist ein kleines Dorf 6 km ausserhalb von Tiruvannamalai, einer Stadt mit 300‘000 Einwohnern. Hier kennen mich fast alle und grüssen mich freundlich. Wenn ich in die Stadt fahre, muss ich hin und wieder für ein Selfie stehen bleiben. Da die meisten Inder das Reisen fremd ist, können sie nicht verstehen, warum ich das gemacht habe. Die klassische Aussage lautet: „Von Mumbai hätte es auch einen direkten Flug gegeben!“

Du bist jetzt schon ein paar Wochen am Ziel angekommen. Wie fühlst du dich in deiner neuen Rolle als Lehrperson?

Ich bin das Mädchen für alles und versuche, die Lehrerinnen und das restliche Team so gut wie möglich zu unterstützen. Bei einer Klassengrösse von 30 Kindern kommen besonders Kinder mit einer Lernschwäche häufig zu kurz. Ich versuche, diesen Kindern das Verständnis für Zahlen spielerisch beizubringen. Für einen speziellen Schüler ist diese Zeit nicht nur aus didaktischen Gründen sehr wertvoll. Der Junge bekommt zu Hause keine Aufmerksamkeit und geniesst den Schulunterricht gerade deshalb umso mehr.

Deine Gegend versinkt gerade im Regen, Strassen und Städte sind überflutet. Wie erlebst du diese Zeit?

An der 100km entfernten Küste herrscht komplette Untergangsstimmung. Alles ist überflutet. Wir haben deshalb Nahrungsmittel und Kleider gesammelt, um diese im Krisengebiet zu verteilen. Die Unterstützung dabei war riesig. Wir erhielten tonnenweise Kekse, Brote und Wasserflaschen. Auch einige einflussreiche Personen aus der Privatwirtschaft unterstützen uns mit ihren Kontakten. Ich hoffe nun, dass wir diese Leute auch für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnen können.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Kannst du dir vorstellen, dein Studium mit deinen Erfahrungen aus Indien zu verknüpfen?

Dies kann ich mir nicht nur vorstellen, sondern dies wird ganz bestimmt der Fall sein. All die Erlebnisse auf meiner Reise haben meinen ganzen Körper und auch meine Denkweise beeinflusst. Ich freue mich nun auch wieder auf das Masterstudium und darauf, Neues zu lernen.

Mehr zum Abenteuer von ETH Alumnus Matthias Trüb gibt es auf seinem Blog www.crazycycler.com . Dort berichtet er regelmässig von seinen Erfahrungen in Indien.

 
 
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