Bitcoin – flip oder flop?

03.02.2016 | Math • Phys Alumni

Von:  Stephan Bühler

Bereits zum fünften Mal lud die Math • Phys Alumni Fachgruppe am 18. November 2015 zum mittlerweile traditionellen Vortragsabend „Math • Phys Lecture“ ein, an welchem Redner aus dem akademischen und angewandten Feld über ein gemeinsames Thema berichten. So durften die 100 anwesenden Alumni in der altehrwürdigen Semperaula drei interessanten Vorträgen zum Themenfeld „Bitcoin - flip oder flop“ lauschen.  

Der Math • Phys Vortragsabend  
Der Math • Phys Vortragsabend in der Semperaula

Das Interesse der Zuhörer  war wie jedes Jahr sehr gross, schliesslich dürfte jeder der Anwesenden schon einmal von Bitcoin gehört haben. Aber was genau hinter dieser neuen Technologie steckt, war wohl nur den wenigsten im Vorhinein bekannt.

Nach einer kurzen Einführung durch den Präsidenten der Math • Phys Alumni, Michael Stadelmann, bot zuerst Luzius Meisser von der Bitcoin Association Switzerland einen Überblick über die Idee Bitcoin. Die grundsätzliche Botschaft: Bitcoin ist 'einfach' digitales Bareld. Durch eine simple Analogie erklärte Luzius Meisser die Idee hinter der Blockchain-Technologie:  „Stellen Sie sich vor, jede Person im Raum besässe 100 'ETH Coins'. Diese  ETH Coins sind frei tauschbar, aber jede Transaktion muss laut in den Raum gerufen werden, so dass jedermann jederzeit den Kontostand der  anderen Personen kennt.“  Weiter präsentierte er einige der bereits etablierten Dienstleistungen, die mit Bitcoins gekauft werden können und hob auch die Möglichkeit von gebührenfreien internationalen Geldtransfers hervor. Negative Punkte wie der MtGox (Bitcoin Tauschbörse) Skandal oder die Verbindung von Bitcoin zum sogenannten Darknet, wo illegale Gegenstände und Dienstleistungen angeboten werden, wurden ebenfalls thematisiert.

Let's TWEET about Bitcoin

Der zweite Vortag mit dem Titel „Let's TWEET about Bitcoin - How social signals drive the Bitcoin price“ hielt Prof. Dr. Frank Schweitzer von der ETH Zürich. In Zusammenarbeit mit seinem Post-Doktoranden David Garcia hatte Prof. Schweitzer die Korrelation zwischen finanziellen und sozialen Daten erforscht. Die dabei untersuchten finanziellen Daten stammten alle aus dem Bitcoin „Universum“, wie z.B. der Wert einer Bitcoin oder die Anzahl von Blockchain Transaktionen während eines Tages. Auf der Seite der sozialen Daten wurden beispielsweise die Anzahl Google-Suchen oder Tweets, die den  Begriff „Bitcoin“ enthielten, untersucht. Aus diesen Daten konstruierten die Forscher Messgrössen, welche die Stimmung der Anleger in Bezug auf Bitcoin quantifizieren sollten. Tatsächlich finden sich in den untersuchten Daten aus den Jahren 2011 bis 2013 starke Korrelationen zwischen finanziellen und sozialen Messgrössen. Prof. Schweitzer und sein Team konstruierten daraufhin automatisierte Anlagestrategien, welche auf den gefundenen Erkenntnissen basierten.  Die Tests zeigten, dass die so entwickelten Strategien deutlich profitabler waren als vergleichbare, auf Finanzdaten basierende Strategien.  In der realen Welt hätten sie ihre Modelle allerdings noch nicht getestet, gab Prof. Schweitzer am Schluss zu bedenken.

Bitcoin-Bankomat  
Bitcoin-Bankomat  

Die Zukunft des Bitcoin

Nach einer kurzen Erfrischungspause schloss Dr. Johannes Schwefer von der Bitcoin Suisse AG die Vortragsreihe mit seinen Referat „Die Zukunft des Bitcoin“ ab. Dank seiner Erfahrung im Bitcoin-Geschäft bot Dr. Schweifer viele interessante Einblicke in die verschiedenen Schwierigkeiten, mit denen Bitcoin-Trader konfrontiert sind. So war beispielsweise die Suche nach einer Bank, die gewillt war, ein Geschäftskonto für eine Firma zu führen, die mit Bitcoins handelt, bereits eine grosse Herausforderung für die Bitcoin Suisse AG. Als Gefahren für Bitcoin führte Dr. Schweifer zudem Hacker, Spekulanten, staatliche Regulatoren und auch technische Limitationen der momentanen Bitcoin-Technologie auf. Für die Zukunft der Bitcoin-Technologie zeigte er schliesslich vier potentielle Szenarien auf: „Domestizierung“, „Revolution des Geldsystems“, „Koexistenz“ und „Evolution“. In der abschliessenden Abstimmung im Saal zeigte sich, dass die beiden Szenarien „Koexistenz“ (von Bitcoin und traditionellen Währungen) sowie „Evolution“ (Weiterentwicklung z.B. der Blockchain-Technologie zu neuen Anwendungen) vom Publikum als wahrscheinlichste Zukunft angesehen werden.

Publikumsmagnet Bitcoin-Bankomat

Im Anschluss an die Vortragsreihe wurde zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen und die Anwesenden verköstigten sich beim Apéro in der Wandelhalle vor der Semperaula. Besonders die drei Redner waren gesuchte Gesprächspartner, aber auch unter den Alumni entwickelten sich interessante Diskussionen. Der von Bitcoin Suisse AG mitgebrachte Bitcoin-Bankomat entpuppte sich als Publikumsmagnet und so mancher Alumnus erleichterte sein Portemonnaie zugunsten einer ersten Bitcoin-Investition. Die Math • Phys Lecture 2015 darf als voller Erfolg gewertet werden und bleibt einer der beliebtesten Anlässe im Angebot der Fachgruppe. So manch ein Alumnus äusserte schon seine Vorfreude auf die Ausgabe im Jahr 2016, auch dann bestimmt wieder zu einem brandaktuellen Thema.

 
 
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