CSS Evening Talk

29.03.2016 | CSS Alumni

Von:  Stefan Züger

Am 25. Februar lud das CSS zum Evening-Talk im Alumni Pavillon zur Zukunft der europäischen Verteidigungspolitik. Die beiden Referenten Dr. Hans-Georg Ehrhart vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und Daniel Keohane vom CSS sprachen vor dem internationalen Publikum ausführlich und mit viel Fachwissen von den immensen Herausforderungen, welche auf die drei westeuropäischen Staaten Frankreich, Grossbritannien und Deutschland zukommen.

Daniel Keohane  
Daniel Keohane

Für das Grundverständnis der sicherheitspolitischen Situation in Europa spielen drei Faktoren eine zentrale Rolle, erklärte Dr. Oliver Thränert den Anwesenden: Erstens muss sich Europa den Gefahren aus dem Osten und dem Süden stellen. Die Ukraine-Krise und der Bürgerkrieg in Syrien haben grossen Einfluss auf die Sicherheit der europäischen Länder. Zweitens ist Europa nicht mehr das Zentrum der Weltpolitik. Seit dem Ende des Kalten Krieges verschiebt sich der weltpolitische Fokus immer mehr Richtung Osten. Daran muss sich Europa erst gewöhnen. Drittens steht Europa vor grossen Herausforderungen und in der Krise. Doch anstatt zusammenzuhalten und die europäische Integration hochzuhalten, gewinnen nationale Strömungen an Zustimmung.

Die Politik Deutschlands

Dr. Hans-Georg Ehrhart zitiert zu Beginn den Deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier und fragt sich, wie dessen „smarte Realpolitik“ auszusehen hat. Nach Ehrhart müssten die wichtigsten Kernelemente der deutschen Politik die Flüchtlingskrise, die Ukraine-Krise und die unsicheren politischen Verhältnisse in Nordafrika sein. Dazu kommt eine europäische Krise, bei der es um die Zukunft der EU und damit von ganz Europa geht. Ehrhart plädierte dafür, die zitierte smarte Realpolitik langfristig auszurichten und flexible zu halten. Nur so sei es möglich, den riesigen Herausforderungen Herr zu werden.

Frankreich und Grossbritannien in Führungsrollen

Zu Frankreich und Grossbritannien sagte Daniel Keohane, dass es wichtig sei, sie als post-imperiale Staaten zu sehen. Die beiden permanenten Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates haben dadurch traditionell einen globalen Fokus, was ihre Sicherheitspolitik anbelangt. Während Grossbritannien starke Bindungen über den Atlantik hat, handelt Frankreich oft souveräner. Nach Keohane sind es diese beiden Staaten, die den Kern der europäischen Sicherheitspolitik bilden. Beide investieren sehr viel in ihr Militär, jedoch ist die Bereitschaft, Soldaten in Krisenregionen zu entsenden, während den letzten Jahren drastisch gesunken. Es stellt sich also die Frage, ob eine Erhöhung der Militäretats genügt, um den wachsenden Bedrohungen für die europäische Sicherheit entgegen zu wirken.

Rege Diskussion beim Apéro

Nach den Referaten der beiden Akademiker war es den Zuhörern möglich, Fragen zu stellen. Das internationale Publikum nutze dies rege und so entstand eine sehr vielseitige Diskussion. Die brennendsten Fragen wurden in den grosszügigen Apéro hineingetragen. So verweilten noch viele Teilnehmer im Alumni Pavillon und trugen zu einem gelungenen und hochspannenden Abend bei.

Daniel Frey  
Daniel Frey

Interview mit Daniel Frey, Co-Präsident CSS Alumni

Im Rahmen des Evening-Talks konnte die  ETH Alumni Vereinigung dem Co-Präsidenten der CSS Alumni einige Fragen stellen.

Daniel, was bedeutet es für das CSS, als nicht technisch ausgerichtete Abteilung an einer der führenden technischen Hochschulen Europas zuhause zu sein?

Die Naturwissenschaft braucht sozialwissenschaftliche Kompetenzen, um überhaupt verantwortungsvolle Wissenschaft betreiben zu können. Deshalb sind die Sozialwissenschaften an der ETH mit den Departementen GESS und MTEC stark vertreten. Und wenn es um den Transfer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft geht, beispielsweise in die Wirtschaft oder die Politik, sind Kenntnisse über den Aufbau und das Funktionieren von eben diesen gesellschaftlichen Subsystemen zwingend notwendig.

Wo siehst Du Gemeinsamkeiten des CSS mit anderen Fachrichtungen der ETH?

Sicherheit spielt heute in vielen Bereichen eine zunehmende Rolle. Daher gibt es viele Schnittstellen mit anderen Fachrichtungen an der ETH. Derzeit haben wir drei Schwerpunkte, bei denen wir diesbezüglich mit anderen Fachrichtungen zusammenarbeiten: Cyber, Life Sciences sowie das ISTP (Institute of Science Technology and Policy). Im Bereich Life Sciences analysieren wir wissenschaftliche Trends im Hinblick auf deren potentielle zukünftige Anwendungen, etwa bei den Dual-Use Gütern im chemischen und biologischen Bereich. Beim Thema Cyber schauen wir uns soziale und politische Konsequenzen von technischen Cybervorfällen an. Im ISTP wiederum arbeiten wir im Cluster „Urbanization“ mit den Architekten, dem Center of Development and Cooperation und dem Laboratory for Energy Conversion zusammen. Darüber hinaus bringen wir unsere Expertise in der Politikberatung in Ausbildungsmodulen für die ISTP Studierenden ein.

Was hat Euch dazu bewogen, eine CSS Alumni Fachgruppe ins Leben zu rufen?

In erster Linie geht es uns um die Kontaktpflege mit ehemaligen Mitarbeitenden, welche an unseren Versammlungen jeweils Einblicke in ihr derzeitiges Tätigkeitsfeld geben. Dieses Netzwerk hilft uns auch, den gegenwärtigen Mitarbeitenden bei der Stellensuche die eine oder andere Tür zu öffnen.

Welche Rolle will die CSS Alumni Fachgruppe im Rahmen der ETH Alumni Vereinigung spielen?

Wir möchten den ETH Alumni unsere Veranstaltungen zugänglich machen und so einen Einblick in unser aktuelles und spannendes Arbeitsgebiet ermöglichen. Und unseren CSS Alumni können von den Vorteilen der ETH Alumni Vereinigung profitieren.

 
 
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