Fokus Event: Big Data – Chancen und Risiken der digitalen Revolution

29.04.2016 | Alumni Focus

Von:  Judith Setz

Am 19. April lud die ETH Alumni Vereinigung zum Fokus Event „Big Data – Chancen und Risiken der digitalen Revolution“ ein. Rund 100 Alumni trafen sich im Dozentenfoyer der ETH, um dem Referat von ETH-Professor Dr. Dirk Helbing zum Thema „Die digitale Transformation“ zu lauschen. In der anschliessenden Podiumsdiskussion, geleitet durch Dr. Matthias Bossardt, Partner bei KPMG AG, diskutierte Dirk Helbing mit Victor Schlegel, Senior Manager Big Data Solutions bei der Swisscom AG, über Big Data. 

Fokus Event: Big Data
Fokus Event: Big Data

Die digitale Revolution schreitet unaufhaltsam voran und verändert unsere Gesellschaft mit atemberaubender Geschwindigkeit. Nicht erst seit den letzten Enthüllungen über die enormen Datenmengen, welche verschiedene Geheimdienste gesammelt, gespeichert und analysiert haben, ist Big Data in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und für viele zum Schreckgespenst geworden. Dass es jedoch auch eine positive Sichtweise gibt, zeigte Dirk Helbing in seinem Referat auf und betonte: „Der Umbruch bietet nicht nur Risiken, sondern auch die Möglichkeit, unsere Gesellschaft und Wirtschaft neu zu gestalten.“

Exponentielles Wachstum der Daten

Die Entwicklung der digitalen Revolution geht in riesigem Tempo voran, wie Dirk Helbing eindrücklich aufzeigte: „Die digitalen Daten wachsen exponentiell. Unsere Datenmenge verdoppelt sich jährlich, womit es zu einer regelrechten Explosion der Datenmenge kommt.“ In anderen Worten: Innerhalb eines Jahres produzieren wir so viele Daten, wie in der gesamten Menschengeschichte zusammen. „Damit wächst aber auch die Datenmenge, die wir gar nicht anschauen können“, erklärte Dirk Helbing, womit ein weiteres Problem entsteht: „In Complex Systems, more isn’t necessarily better. It can make things worse.“ Denn die gigantische Menge an Informationen und Daten, die Firmen wie Amazon, Facebook, Google, Twitter und die Geheimdienste anhäufen, sind nicht mehr zu kontrollieren.

Digitale Revolution als Chance

„Durch die neuen Technologien entstehen aber viele Chancen. Wir dürfen nicht zögern, diese zu ergreifen“, so Dirk Helbing. „Dafür nötig ist jedoch eine neue Denkweise. Wir müssen vernetzt und systematisch an das Problem herangehen. Unkonventionelle Ideen sind gefragt. In den Worten von ETH Alumnus Albert Einstein: «We cannot solve our problems with the same thinking we used when we created them».” Wichtig ist jedoch für Dirk Helbing, dass die Technologie in Harmonie zur Gesellschaft steht und dass der Mensch in Kontrolle bleibt. Wie dies aussehen sollte, zeigte er eindrücklich anhand „Capitalism 2.0 + Democracy 2.0“ auf, seine Idee für einen neuen wirtschaftlich-gesellschaftlichen Organisationsrahmen. Zentral dabei ist, dass die Datenhoheit bei den Bürgern liegt. Damit soll verhindert werden, dass ein Überwachungsalptraum entsteht, wie er heute droht. Ziel ist ein autonom funktionierendes, verteiltes System, an dem die Bürger teilhaben können und das sie selbst entscheidend mitprägen.

Spannende Podiumsdiskussion

Im Anschluss an sein Referat diskutierte Dirk Helbing zusammen mit Victor Schlegel, Senior Manager Big Data Solutions bei der Swisscom AG. Matthias Bossardt, Partner bei KPMG AG, moderierte die Podiumsdiskussion. Dabei gab Victor Schlegel Einblicke in die Strategie der Swisscom. Seine Aufgabe ist es, die Kunden bestmöglich auf die digitale Revolution vorzubereiten. Für Victor Schlegel ist wichtig, dass die Firmen Organisationsstrukturen so anpassen, dass Innovationen möglichst schnell am Markt getestet werden: „Heutige Organisationsstrukturen europäischer Grossunternehmen sind nicht wettbewerbsfähig – diese sollten angepasst werden und zwar so, dass Inspirationen, Visionen und Initiativen einen Platz und Unterstützung finden und nicht in ihrem Keim erstickt werden. Eine solche organisatorische Anpassung kann z.B. durch dezentralisierte Verantwortlichkeiten, Budgets und Innovationsprozessen verwirklicht werden.“ Beide Referenten sind der Meinung, dass auch der Staat gefragt ist; dieser muss veraltete Regelungen anpassen, Hürden abbauen und Standardisierungen überprüfen. Greift der Staat weniger regulierend ein und lässt mehr konkurrierende Vielfalt zu, kann die Entstehung eines offenen Informations-, Innovations-, Produktions- und Service-Ökosystem begünstigt werden. Zudem sollten mehr Fördergelder fliessen, um die einfache und schnelle Gründung von Firmen zu unterstützen. Dirk Helbing erklärt: „Wenn heute die Idee entsteht, muss es möglich sein, morgen eine Firma zugründen, damit Produkte sofort entwickelt und vertrieben werden können. Das Tempo entscheidet.“ Nur so, sind beide überzeugt, schaffe es Europa, die digitale Revolution zu meistern und zu ihrem Vorteil zu verwandeln.

Rege Diskussion beim Apéro

Tief beeindruckt vom Vortrag und der anschliessenden Podiumsdiskussion diskutieren die Teilnehmer beim Apéro über das Gehörte. Da der Vortrag auf eine grosse Resonanz gestossen und komplett ausgebucht war, hat sich die ETH Alumni Vereinigung entschieden, ihn ein zweites Mal durchzuführen. Sobald das Datum feststeht, wird der Event im Eventkalender publiziert.

Wir danken Dirk Helbing, Victor Schlegel und Matthias Bossardt für ihren Einsatz!

 
 
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