“Deep dive into Fairphone” am Umwelt Alumni Event

08.06.2016 | Umwelt Alumni

Von:  Isolde Erny

Woran denkt man beim Kauf eines Smartphones? Von einem Apfel bis hin zur Mitfinanzierung eines Krieges ist wohl so mancher Gedanke möglich. Wer Smartphones herstellt, muss sich diese Überlegungen ganz besonders machen. Vor allem, wenn das Produkt fair und umweltverträglich sein soll.

Fairphone Event
Fairphone Event

Am Mittwoch, 4. Mai 2016, versammelten sich 70 Alumni und Studierende – darunter zum ersten Mal nicht nur solche mit Umwelthintergrund – an der ETH, um einen Einblick in die faire Herstellung von Smartphones zu bekommen. Unter dem Titel „deep dive into Fairphone“ erklärte Bibi Bleekemolen, zuständig für impact und develoment bei Fairphone, wie das Unternehmen versucht, seinem Namen gerecht zu werden.

Ein Smartphone ist keine Banane

Ein fairer Herkunftsnachweis ist schon bei Bananen und Schokolade anspruchsvoll. Für komplexe Produkte wie Elektronikgeräte galt es lange als unmöglich. Fairphone hat dies geändert. Ein Smartphone besteht aus etwa 40 Mineralien, jedes davon durchläuft im Schnitt zehn Stationen von der Mine bis ins fertige Telefon und jeder Verarbeitungsprozess und Zwischenhändler hat bis zu 50 Zulieferer. Ein beinahe unüberschaubares Geflecht, in dem jeder Akteur nun einen Bruchteil der Fertigungskette kontrolliert.

Wie kann man Einfluss ausüben?

Fairphone begann ursprünglich als Nichtregierungsorganisation (NGO), welche Kampagnen für faire Arbeitsbedingungen in der Fertigung von Elektronikprodukten startete. Damit bewirkte Fairphone nicht nur wenig, sondern sah sich auch noch mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Kritik ohne Aufzeigen von Alternativen nichts bringt. Also beschlossen sie, selber ein Produkt herzustellen. So konnte Fairphone in der Rolle eines Kunden effizienter und direkter mit den Akteuren der Fertigungskette verhandeln. Diese zeigten sich angesichts der geringen Marktmacht von Fairphone fast schon unglaublich gesprächsbereit. Es gelang, eine faire Lieferkette für Gold von der Mine bis ins fertige Produkt aufzubauen, obschon Fairphone in über drei Jahren insgesamt gerade mal 100 g des Edelmetalls abnahm.

Lieferkette von Gold
Lieferkette von Gold

Fokus auf Konfliktmineralien und Arbeitsrechte in China

Angesichts der Vielzahl an Akteuren, die an der Fertigungskette eines Smartphones beteiligt sind wird klar, dass man auf dem Weg zu einem zunehmend fairen Endprodukt Prioritäten setzen muss. Bisher verkaufte Fairphones müssten daher eigentlich „fairer“-phones heissen. Fairphone setzt den Fokus auf zwei Bereiche, die als besonders problematisch gelten. Erstens auf Metalle aus Gebieten, in denen das Risiko gross ist, dass damit Krieg finanziert wird – sogenannte Konfliktmineralien. Zweitens liegt das Augenmerk auf den Arbeitsrechten in chinesischen Fabriken.

Ein langlebiges Produkt, das man selber reparieren kann

Je länger man ein Smartphone nutzt, umso weniger oft muss man sich ein neues zulegen. Das schont Ressourcen und die Umwelt. Damit das Fairphone möglichst langlebig ist, ist es modular aufgebaut. Sensible Komponenten wie zum Beispiel der Bildschirm oder die Kamera können einfach zuhause selber ersetzt werden, ohne dass das Gerät in die Reparatur geschickt werden muss. Das Gerät soll so eine Lebenserwartung von fünf Jahren erreichen. Dies wäre mehr als das Doppelte der durchschnittlich Lebensdauer eines Smartphones. Das Auseinandernehmen und Reparieren eines solchen Fairphones macht sogar Spass. So viel, dass viele der Besucher des Umwelt Alumni-Anlasses beim Zerlegen der Demo-Fairphones vergassen, sich rechtzeitig etwas vom grossartigen Apéro zu sichern. Dieser wurde vom Frauenprojekt Paprika der Asylorganisation Zürich organisiert.

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