Reto Frei: „Wir wollen kein Team aus Ja-Sagern – nur die Auseinandersetzung für die beste Lösung bringt uns weiter“

30.06.2016 | Alumni Porträts

Von:  Judith Setz

ETH Alumnus Reto Frei gründete vor 15 Jahren zusammen mit seinen zwei Brüdern und Rolf Hiltl die tibits Restaurants. Trotz vielen Hindernissen in der Startphase hielten die drei an ihrem Traum von einem hochstehenden vegetarischen Fast Food Restaurant fest. Heute begeistern sie täglich rund 8000 Gäste in neun Restaurants mit ihren innovativen Kreationen. Wir sprachen mit Reto über die Anfänge, Hindernisse und Erfolge von tibits.

Reto Frei (links) mit seinen Brüdern Christian und Daniel © tibits
Reto Frei (links) mit seinen Brüdern Christian und Daniel © tibits

Reto, Du hast an der ETH studiert und bist Dipl. Betr.- u. Prod.-Ing. ETH. Heute leitest Du zusammen mit Deinen Brüdern die tibits Restaurants. Wie entstand die Idee zu tibits?

Die Idee zu tibits entstand am Venture 98 Businessplan Wettbewerb. Ich besuchte die Startveranstaltung und wurde sogleich mit dem Gründerfieber angesteckt. Zuhause erzählte ich meinen Brüdern Daniel und Christian davon und konnte sie ebenfalls begeistern. Rasch kamen wir auf die Idee von „hochstehenden vegetarischen Fast Food Restaurants“, da wir alle drei schon damals praktisch kein Fleisch assen und uns ein Restaurant fehlte, in dem man nicht nur schnell, gesund und genussvoll essen konnte, sondern welches auch ein modernes Ambiente hatte und man sich nicht wie in einem Körnlipicker-Restaurant fühlte.

Eure tibits-Idee wurde 1998 am Businessplan-Wettbewerb Venture der ETH Zürich und der Unternehmensberatung McKinsey zweimal prämiert. Davon alleine kann man aber noch kein Unternehmen gründen. Was gab schliesslich den Ausschlag?

Die positiven Reaktionen aus unserem Umfeld motivierten uns, die nächsten, kleinen Schritte zu gehen. Wir suchten und fanden mit Rolf Hiltl einen Gastropartner und gründeten zusammen eine Firma, entwickelten das Konzept weiter und suchten einen ersten Standort. Es waren viele kleine Schritte, die dann am Schluss einen grossen Schritt ergaben. Wir wollten immer etwas Tolles tun, das Sinn macht und hinter dem wir 100% stehen und etwas Positives bewegen können. Das ist und war die Motivation von Beginn weg.

Das tibits gibt es nun bereits 15 Jahre. Mittlerweile habt Ihr neun Restaurants. Was waren die grössen Hürden, aber auch Erfolge, die Ihr in dieser Zeit erleben durftet?

Hürden gab es viele. Da war zunächst die Finanzierung. Wir Brüder mussten unser Eigenkapital zusammenkratzen. Da merkten wir schnell, dass einem nichts geschenkt wird und es ohne Sicherheiten fast unmöglich ist, Geld zu erhalten. Schlussendlich bekamen wir ein Darlehen von einem uns gut gesinnten Ehepaar zu einem sehr moderaten Zins. Ebenfalls war die Suche nach dem ersten Standort sehr frustrierend. Wir erhielten extrem viele Absagen und es brauchte viel Hartnäckigkeit, um nicht aufzugeben. Ein Rückschlag war sicherlich auch, dass wir in London eines von zwei eröffneten Restaurants nach kurzer Zeit wieder schliessen mussten, da ein Monat nach Eröffnung aufgrund des Credit Crunchs der Konsum und die Lust auf Neues schlagartig ausblieb. Highlights gibt es zum Glück aber sehr viele: Es berührt mich täglich, wenn ich von begeisterten Gästen höre, dass sie unser Angebot und die Arbeit schätzen. Das motiviert und spornt an. Ich freue mich auch, dass wir ein wunderbares Team haben, das die tibits-Werte mit viel Herzblut lebt und dass wir viele Mitarbeitende weiterentwickeln durften. Ebenfalls ist es toll, dass wir an sehr guten Standorten sein dürfen und so der vegetarischen und veganen Küche ein starkes Selbstbewusstsein geben können.

"Wir wollten immer etwas Tolles tun, das Sinn macht und hinter dem wir 100% stehen und mit dem wir etwas Positives bewegen können. Das ist und war die Motivation von Beginn weg." Reto Frei, Gründer tibits

Was macht einen guten Restaurantbesitzer aus?

Man muss viel Herzblut und Leidenschaft mitbringen und gerne mit Menschen arbeiten – und das jeden Tag aufs Neue. Als Vorbild ist es wichtig, selber anzupacken und das gewünschte Verhalten vorzuleben. Zudem muss ein guter Restaurantbesitzer sehr vielseitig sein, damit ein Betrieb rund läuft. Er muss seine Gäste ernst nehmen und Augen und Ohren immer offen haben. Ein toller Restaurantbesuch hat mit ganz vielen verschiedenen Disziplinen zu tun und ist gespickt von Softfaktoren, die gelebt werden müssen.

Was ist das Geheimnis des tibits?

Ich denke, das sind verschiedene Faktoren wie in einem guten Gericht. tibits basiert auf vier Werten: Lebensfreude, Vertrauen, Fortschrittlichkeit und Zeit. Wir sind nicht perfekt, aber wir versuchen alles was wir tun, nach diesen Werten zu leben. Dadurch entsteht eine starke Unternehmenskultur. Zudem leben wir eine offene Feedbackkultur und schätzen andere Meinungen und Ansichten. Diese Auseinandersetzung für die beste Lösung bringt uns weiter und macht uns besser. Wir wollen kein Team von Ja-Sagern. Wir sind dankbar, dass wir einzigartige Mitarbeiter für tibits begeistern können.

Was treibt Dich und Deine Brüder an?

Unser Antrieb sind begeisterte Gäste und motivierte Mitarbeitende. Wir wollen von Herzen etwas Gutes tun, das auch uns begeistern würde. Und wir möchten eine gute Idee mit gesundem Ehrgeiz auch verbreiten, solange wir das Team dazu haben, es Spass macht und die Gäste uns lieben. Das Geld war nie der Antrieb, sonst hätten wir gar nicht gestartet, denn beim Businessplan schreiben war die Erfolgsrechnung immer negativ. Als wir damals den Businessplan aufstellten, rief ich beim Gastro-Verband an und fragte, ob man in der Gastronomie überhaupt Geld verdienen könne. Der Experte rechnete mir vor, dass der Wirt für vier arbeite und viermal Fr. 50‘000 gibt auch Fr. 200‘000.  Da wurde mir bewusst, dass Geld nicht der Antrieb sein konnte.

Für was steht das tibits?

Tibits steht für genussvolles und gesundes vegetarisches und veganes Essen & Trinken in lockerem und modernem Ambiente oder als Take Away oder Catering für zu Hause. Tibits steht auch für einen fairen Arbeitgeber, der auf seine Mitarbeitenden schaut.

Wo führt Euch die Zukunft hin?

Wir entwickeln uns stetig weiter und möchten im Zeitgeist bleiben. Im Juni 2016 durften wir unsern jüngsten Spross, das tibits in Oerlikon eröffnen mit einem neu gestalteten Salatbuffet. Ende 2017 bekommt St.Gallen endlich sein tibits gleich beim Bahnhofplatz und Ende 2018 werden wir ein zweites tibits in Basel eröffnen. Es wäre schön, wenn wir unser Unternehmen später mal unseren Kindern weitergeben könnten. Dafür haben wir Gründer bereits eine Familiencharta aufgesetzt.

"Glaubt an eure Idee, hört den kritischen Stimmen zu und verbessert so eure Lösung. Aber vor allem bleibt hartnäckig!" Reto Frei, Gründer tibits

Was würdest Du Studenten raten, die ein Start-up gründen wollen?

Glaubt an eure Idee, hört den kritischen Stimmen zu und verbessert so eure Lösung. Aber vor allem bleibt hartnäckig, überwindet die Widerstände, es ist normal dass niemand auf euch gewartet hat.

Die ETH Zürich Foundation hat mit Dir zusammen den ersten „think talk tibits“-Event veranstaltet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Die Idee entstand spontan an einem Anlass der Foundation, als ich mit Tonja Cruse darüber sprach, dass es für jüngere Alumni etwas geben sollte, wo man sich austauschen kann. So haben wir den Think Talk ins Leben gerufen und freuen uns, dass die erste Ausführung bereits viel Anklang fand.

 
 
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