Wie aus Schrott High-Tech-Material entsteht

22.06.2016 | Geomatik Alumni

Von:  Stephan Schütz

Am 25. Mai 2016 kamen 14 interessierte Geomatik Alumni in den Genuss einer exklusiven Führung durch das Stahlwerk in Emmenbrücke. Guido Olschewski, Leiter Qualität und Entwicklung bei der Steeltec AG, und sein Team führten die Alumni Gruppe einen Abend lang in die Geheimnisse der Stahlerzeugung ein.

Führung bei der Steeltec AG
Führung bei der Steeltec AG

Die Stahlindustrie blickt am Standort Emmenbrücke auf eine rund 170-jährige Geschichte zurück. Nach einer Einführung in die Unternehmensgeschichte und Erläuterungen zum Stahlerzeugungsprozess folgte ein erster Eindruck des Werkes anhand eines von Lernenden erstellten Filmes über die Verarbeitungsprozesse auf dem Firmengelände.

Gewaltige Mengen Energie

Anschliessend wurden die Teilnehmenden mit Helm, Schutzbrille, Gehörschutz und Werksmantel ausgestattet und begaben sich auf den rund 2½-stündigen Rundgang. Gestartet wurde dieser bei der Schrotthaltung. Beim Blick auf den Lichtbogenofen spürte man die gewaltige Energie, welche durch die Elektroden in die 80 Tonnen Stahlschrott abgegeben wird und diesen so zum Schmelzen bringt. Rund 36 MWh Strom wird pro Fuhre benötigt, das entspricht in etwa der Strommenge, welche die Stadt Luzern im gleichen Zeitraum verbraucht. Aus diesem Grund muss der Bezug dieser Leistung auch beim Energielieferanten angekündigt werden. Nach dem Einschmelzen wird die Legierung durch Zugabe verschiedener Elemente fertig gemischt und anschliessend über einen Strangguss in Knüppel gegossen.

Grosse Knüppel, dünne Drähte

Die mittlerweile ausgekühlten Knüppel werden im Walzwerk wieder erwärmt und mittels verschiedener aufeinanderfolgenden Walzen auf den gewünschten Durchmesser reduziert. So werden aus den grossen Knüppeln Stangen oder Drähte hergestellt. Das Walzwerk kann auch dünne Drähte von nur 5.5 mm Durchmesser produzieren. Da die gleiche Menge Stahl aus der Maschine herauskommen muss wie hereingeführt wird, hat der dünnste Draht am Schluss eine Geschwindigkeit von annähernd 300 km/h.

Veredelung durch stärkste Zugmaschine Europas

Im letzten Teil der Besichtigungstour gewannen die Alumni einen Einblick in die Veredelung der zuvor produzierten Stangen. In der Zieherei wurden diese mittels einer Zugmaschine (Zugkraft 120 t, die stärkste in Europa) durch eine runde Öffnung gezogen. Dabei findet eine materialtechnische Veränderung statt, welche den Stahl qualitativ verbessert. Auch die Fertigungstoleranz des Durchmessers der Stangen kann auf wenige Mikrometer reduziert werden. Als Besonderheit können die Stangen im Werk Emmenbrücke nicht nur kalt, sondern auch warm gezogen werden. Anschliessend erfolgten die Nachbearbeitungen wie Abschneiden von Anfang und Endstück, Abfasung von Kanten sowie die Bereitstellung in Bündeln.

Danke ans kompetente Team

Die drei kompetenten Führer/-innen beantworteten während der gesamten Dauer die Fragen der Alumni und lieferten mit ihren Erklärungen interessante Einblicke in diesen Schwerindustriebetrieb. Die Hitze und der Staub machten durstig, so gab es zum Schluss noch für jeden etwas zu trinken. Danach machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg oder liessen den Abend in einer nahen Bar ausklingen. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Guido Olschewski und sein Team!

 
 
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