Biblioteca cantonale di Lugano

06.07.2016 | OG Ticino Alumni

Von:  Rudi Belotti

Anfang Juni besuchte die Ortsgruppe Ticino Alumni die kantonale Bibliothek in Lugano, um sich vor Ort mit den Herausforderungen der Bibliotheken im 21. Jahrhundert – in der Ära der digitalen Medien – auseinanderzusetzen. Die OG Ticino Alumni wurde vom Direktor Gerardo Rigozzi in die Geschichte, die Architektur und in die sozialen und technologischen Aspekte eingeweiht.

Der Vortrag des Direktors
Der Vortrag des Direktors

Die kantonale Bibliothek entstand 1851 als Bibliothek der Stadt Lugano. Das Gebäude wurde direkt an das Gymnasium angebaut, welches sich im ehemaligen Kloster Sant’Antonio befindet. Zehn Jahre später, im Jahre 1861, wurde die Libreria Patria gegründet mit dem Ziel, die literarischen Werke und das Kulturerbe des Kantons Tessin zu bewahren. Zu dieser Zeit wollte man die Tessiner Identität vor dem Einfluss aus dem Norden sowie dem Süden schützen, da es mit der Eröffnung des Gotthardbahntunnels 1882 Bestrebungen gab, deutschsprachige Schulen im Tessin zu eröffnen.

Neubau durch ETH Architekten Rino und Carlo Tami

1904 verlegte man die Bibliothek ins Palazzo degli studi. 32 Jahre später wurden die Architekten Rino und Carlo Tami mit dem Bau einer neuen Bibliothek beauftragt. Das neue Gebäude, eine Betonkonstruktion, steht seither am Ufer des Lago di Lugano in einem wunderschönen Garten und wurde 1942 eröffnet. Der Architekt Rino Tami studierte an der ETH Zürich bei Otto Rudolf Salvisberg, der von 1957 bis 1961 an der ETH lehrte. Das Gebäude wurde zwischen 2003 und 2005 renoviert. Auch heute noch ist die Bibliothek bekannt für den Sala Tami, eine bemerkenswerte Wendeltreppe und die einzigartige Struktur der Bücherregale.

Funktionen einer Bibliothek

Direktor Gerardo Rigozzi erklärte den anwesenden Alumni, dass die Bibliothek ein Ort der Unterhaltung sei. Und somit sind die Dienstleistungen, die eine Bibliothek anbietet, vielfältig: vom historischen Gedächtnis, Förderung des Info-Lesens, Print on Demand bis hin zur Referenz. Weiter zeigte Gerardo Rigozzi interessante Beispiele von Bibliotheken aus der ganzen Welt auf. Da gibt es zum Beispiel die Kenya's Camel Library, eine reisende Bibliothek auf Kamelen, die die Bücher zu ihren Kunden bringt.

Die Verbindung von Architektur und Büchern

Weiter gibt es auch eine faszinierende Verbindung von Architektur und Büchern. Als Beispiele zu nennen sind die OBA in Amsterdam, das Rolex Learning Center in Lausanne, die WU in Wien, die Birmingham Library, die King Abdulaziz Public Library in Riyadh, oder die Stacja Kultura in Rumia, Poland. Hier handelt es sich um einen alten Bahnhof, der in eine Bibliothek umgebaut wurde. Spielerisches Beispiel ist das Community Bookshelf der Kansas City Public Library. Dessen Parkplatz ist in Form eines riesigen Bücherregals gebaut und die Fassade einem Buchrücken nachempfunden.

Zugang für die ganze Bevölkerung

Seit 1991 hat der Kanton Tessin ein Bibliothekgesetz, in welchem vier kantonale Bibliotheken definiert sind. Dank dieser Struktur und den Bibliotheken der Mittelschulen hat die ganze Bevölkerung Zugang zu den Bibliotheken. Seit der Einführung der Informatik und des SBT (Sistema bibliotecario ticinese) ist es zudem möglich, die Kataloge online aufzusuchen. Heute besteht das Netzwerk der SBT aus 75 Bibliotheken.

Ausblick: Bibliotheken und Cyberspace

Im dritten Teil der Führung rückte der Zusammenhang von Bibliotheken und Kommunikationstechnologien in den Fokus. In der heutigen Gesellschaft fliessen Informationen sehr schnell und man verfügt über viele Kommunikationsmitteln. Die Bibliothek muss dabei eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllen. Sie muss nicht nur den Zugriff und die Auswahl von qualitativen Quellen sicherstellen, sondern auch eine Orientierungshilfe in der Informationsgesellschaft bieten. Diese Faktoren sind und bleiben wichtig, weil auch im Zeitalter des Internets Informationen wertvoll sind und Macht besitzen. Bibliotheken berücksichtigen und beeinflussen nicht nur den physischen, sozialen und mentalen Raum, sondern auch den Cyberspace. Von digitaler Weisheit (Marc Premsky) bis zu digitaler Demenz (Manfred Spitzer) drehten sich die anschliessenden Diskussionen der Alumni. Die spannende Führung hat sicherlich dazu beigetragen, die Sicht auf Bibliotheken um einige Facetten reicher zu machen.

 
 
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