Organisationale Resilienz – Wie können sich Unternehmen auf Krisen vorbereiten?

15.07.2016 | Alumni Career

Von:  Monika Huber

Am 23. Juni lud die ETH Alumni Vereinigung zu einem spannenden Career Talk zum Thema „Gut gewappnet für schwierige Zeiten - Organisationale Resilienz“ ein. Die ETH Alumna Monika Auer-Furrer studierte Biochemie an der ETH und bildete sich unter anderem im Bereich der Systemischen Organisationsberatung und Arbeits- und Organisationspsychologie weiter. Seit 2003 ist Sie in der Organisationsberatung tätig. An diesem Abend stellte die Referentin das interessante Modell der Organisationalen Resilienz vor.

Der Career Event
Der Career Event

Was ist Resilienz?

Monika Auer-Furrer führte die Teilnehmer/-innen über die Definition der persönlichen Resilienz ins Thema ein. Persönliche Resilienz ist „die Fähigkeit von Menschen, Krisen im Lebenszyklus zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen“. Resilienz ist erlernbar und wird durch eine realistische Haltung, gesunde Gewohnheiten, die Übernahme von Eigenverantwortung und die Überzeugung, etwas bewirken zu können, gefördert. Eine resiliente Person ist zudem eingebettet in ein soziales Netzwerk und findet Sinn in ihrem Tun.

Die Resilienz eines Unternehmens

Im Unternehmenskontext spielt persönliche Resilienz auf der Ebene einzelner Menschen – Mitarbeitende, Führungskräfte oder Personen der Unternehmensleitung – eine grosse Rolle. Darüber hinaus lässt sich das Resilienz-Konzept aber auch auf das Unternehmen als Ganzes übertragen. Man spricht dann von organisationaler Resilienz, welche die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens als Gesamtsystem beschreibt.

Das Modell mit sieben Dimensionen

Monika Auer-Furrer entwickelte ein Modell, das zur Beobachtung und Reflexion organisationaler Resilienz eingesetzt werden kann, und mit dessen Hilfe, Stärken und Verbesserungspotentiale im Umgang mit Krisen eruiert werden können.

Die Referentin beschrieb die sieben Dimensionen des Modells Organisationaler Resilienz im zeitlichen Verlauf einer Krise.

1. Risk Sensitivity:

Schon vor der Krise ist ein guter Umgang mit Risiken hilfreich. Jedes Unternehmen sollte ein Bewusstsein für mögliche Risiken entwickeln.

2. Riskmanagement:

Daraus ergibt sich ein Risikomanagement, welches alle Massnahmen zur Risikomitigation umfasst; beispielsweise das Schaffen von Redundanzen, Trainings oder das Entwerfen verschiedener Zukunftsszenarien.

3. Awareness:

In der hektischen Phase der Krise ist es wichtig, den Überblick zu behalten und Prioritäten richtig zu setzen. Dabei hilft ein offener Informationsfluss, Sensibilität für das Umfeld, und eine gute interne und externe Vernetzung.

4. Responsiveness:

In der Krise ist es für ein Unternehmen ausserdem elementar, handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören schnelle Entscheidungen, eine gute Kommunikation, Flexibilität und die Fähigkeit zur Improvisation.

5. Recovery:

Nach der Krise muss ein Unternehmen sich wieder aufrappeln, dies benötigt Hartnäckigkeit und Durchhaltewillen. Hier hilft eine klare Unternehmens-Identität.

6. Learning Capacity:

Eine überstandene Krise kann ein Unternehmen nutzen, um daraus zu lernen und so die künftige Performance zu verbessern. Dies setzt eine konstruktive Haltung gegenüber Misserfolgen voraus.

7. Values:

Die Resilienz eines Unternehmens wird stark unterstützt durch ein stabiles Wertegerüst, das sich oftmals in langjährigen, guten Beziehungen zu Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten zeigt.

Kommunikation und Wertschätzung

In kleinen Gruppen konnten die TeilnehmerInnen ihre praktischen Erfahrungen bezüglich Resilienz in Unternehmen diskutieren. Aus der Diskussion und der anschliessenden Zusammenfassung ging hervor, dass Kommunikation im resilienten Unternehmen ein zentrales Element darstellt. Daneben spielen vor allem die Art der Führung, eine gute interne und externe Vernetzung, eine offene Lernkultur und eine Haltung, die Mitarbeitende und ihren Leistungsbeitrag wertschätzt, eine entscheidende Rolle.

 
 
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