Planung braucht Zeit

25.08.2016 | Alumni Focus

Von:  Nina Bader

Wie würde die Schweiz mit 10 Millionen Einwohner aussehen? Dieser Frage widmete sich am 28. Juni der Focus Event der ETH Alumni Organisation. Gemeinsam mit Prof. Dr. Bernd Scholl und Alt-Regierungsrat Lorenz Bösch diskutierten die Besucher die Herausforderungen der zukünftigen Raumplanung.

Der Focus-Event im Dozenten Foyer
Der Focus-Event im Dozenten Foyer

Es ist nichts Neues: Schon in den 1960er Jahren prophezeite ein Universitäts-Professor, die Schweiz werde in den 1980er Jahren 10 Millionen Einwohner haben. Die Prophezeiung trat nicht ein, doch die Aussage hatte weitreichende Konsequenzen: In der ganzen Schweiz wurde Land eingezont und mit zum Teil sehr niedriger Dichte bebaut. Dies führte zu der heute bekannten Zersiedlung. Genau mit dieser Thematik setzt sich Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung an der ETH Zürich, auseinander. In seinem Referat widmete er sich der Siedlungsentwicklung nach innen, die beim heutigen Bevölkerungswachstum notwendig ist. Allerdings ist eine Bevölkerungsentwicklung nie klar vorhersehbar und die Raumplanung muss mit solchen Ungewissheiten umgehen können.

Die Menschen werden flexibler, so auch die Infrastruktur

Eines sei aber auf jeden Fall klar: Mit dem Boden müsse man haushälterisch umgehen, weil er knapp und nicht vermehrbar sei. Diese Problematik stellt sich der Schweiz heute mehr denn je, da die Wohnfläche pro Kopf ca. 50 m2 beträgt, einer der höchsten Werte Europas, der immer weiter steigt. Als Vergleich: In China liegt der Wert bei 15 m2. Eine Lösung dieses Problems sieht Prof. Dr. Bernd Scholl in einem Siedlungsmanagement für Kantone und Städte. Dadurch soll klar werden, wo die schweizweiten Reserven für Siedlungsentwicklung liegen. Als Beispiel nennt er das Limmattal, das durch seine zentrale Lage von nationaler Bedeutung ist. Dort hat es so viele Siedlungsreserven, dass eine volle Besiedelung zu einer starken Überlastung der Verkehrssysteme führen würde. Daher muss bei einer Verdichtung nach innen auch die Infrastruktur angepasst werden – sprich Schulen, Kindergärten, öffentliche Bauten und vor allem das Verkehrssystem. Das grösste Potenzial liege dabei definitiv bei den kleinen und mittleren Gemeinden, wie solche im Limmattal, da dort 70 Prozent aller Siedlungsreserven zu finden sind.

„Wer Dichte schafft, schafft auch ein Klima“

Im Anschluss an das Referat von Prof. Dr. Scholl folgte gemeinsam mit Lorenz Bösch eine Podiumsdiskussion, moderiert von SRF Journalist Dieter Kohler. Lorenz Bösch sprach während der Diskussion einen weiteren wichtigen Aspekt an: „Wer Dichte schafft, schafft auch ein Klima.“ Eine Verdichtung in einer Gemeinde oder einer Region hat einen erheblichen Einfluss auf die Gemeindeinfrastruktur, die Versorgungsstruktur und den Finanzhaushalt. In seinen Augen liegen hier die Schwierigkeiten, die noch genauer erforscht werden müssen.

Konkrete Umsetzung nach innen

Die Diskussion mit dem Publikum widmete sich daher auch klar dem Thema der konkreten Umsetzung der Siedlungsentwicklung nach innen. Es wurde über die Entwicklung der Schweizer Infrastruktur diskutiert, Gemeindefusionen, Versorgungssicherheit und die Entwicklung der Metropolitanräume. Dabei haben beiden Referenten klar gemacht, dass Raumplanung vor allem eines braucht – und das ist Zeit.

 
 
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