ETH-Alumnireise nach Valencia - Ein Erlebnisbericht

06.10.2016 | Alumni Travel

Von:  Stephanie Gränicher

Vom 22. Bis 25. September 2016 reisten wir als Alumni-Gruppe, teilweise mit Partnerinnen und Partner, nach Valencia. Wir widmeten uns der enormen Vielseitigkeit der Stadt. Der Agronom und ETH Alumnus Boris Jost, der die Orangenplantage „Casa del Mas“ für seine Familie von der Schweiz aus und in Valencia betreut, ist uns dabei ein kompetenter Reiseleiter. Zusammen mit knechtreisen ermöglichte er uns Besichtigungen und Erlebnisse weit über den normalen Tourismus hinaus.

Die Alumni Reisegruppe
Die Alumni Reisegruppe

Den ersten Nachmittag und Abend verbrachten wir auf der Bodega Hispano-Suizas, die eine Stunde entfernt in Requenas, einem der besten Weinanbaugebiete Spaniens, liegt. Das Mikroklima auf 750 Metern über Meer mache dies möglich, erklärt uns Rafael, während wir die frisch gepressten Trauben in den Fässern bestaunten. Als Rafael Navarro das Anbaugebiet in den 1980er Jahren übernahm, ersetzte er die lokalen Trauben durch neue Sorten. 2006 entschied er sich, einen eigenen Keller zu bauen und konnte mit Pablo Sorio, einem der Top-Shots der spanischen Weinszene, und dem Schweizer Marc Grain potente Partner gewinnen. Von der hochstehenden Qualität der Weine konnten wir uns bei der Degustation und dem anschliessenden Barbecue überzeugen, während die Sonne feuerrot hinter den Hügeln versank.

Vom Reis zur Paella

Der nächste Vormittag stand im Zeichen des Reisanbaus. Wir fuhren zum nahe gelegenen Naturschutzgebiet La Albufera. Vor 1200 Jahren stauten hier die Araber die beiden lokalen Flüsse und pflanzten um den entstandenen See Reis an. Heute dienen die Felder nicht nur als Reiskammer Valencias, sondern auch als Refugium für Wasservögel und Fische. Santos Ruiz, der Präsident der Vereinigung zum Schutz des Reises in Valencia, erklärte uns die hiesige Anbauweise und begleitete uns zu einem bäuerlichen Verarbeitungsbetrieb. Er ist aber auch Gastrojournalist, was uns durch einen Show-Kochkurs mit dem bekanntesten Reisgericht Valencias, der Paella, in Kontakt brachte.

UV-Licht und Orangen?

So gesättigt wandten wir uns am Nachmittag zum ersten Mal den Orangen zu und besichtigten „Le Gamin“, einen Betrieb, der pro Jahr 100 Millionen Tonnen Früchte produziert. Wir erfuhren, dass es viele verschiedene Sorten von Zitrusfrüchten gibt, Orangen in sieben Klassen aufgeteilt werden und die Qualität der Früchte heutzutage mit UV-Licht und Fotografie sichergestellt wird. Am Abend folgten wir den Spuren des America Cup den Hafen entlang, bevor wir in einem Strandrestaurant den lokalen Fisch probierten.

Mit Calatrava durch die Stadt

Die kulturellen Highlights von Valencia erwanderten wir am nächsten Vormittag. Wir bewunderten den Mercado Central, dessen Delikatessenangebot dem Sortiment von Globus in Zürich um nichts nachsteht, amüsierten uns in der Börse über die Sitten im mittelalterlichen Seidenhandel und staunten über die Alabasterfenster in der Kathedrale.

Anschliessend traffen wir Fernando, der als Bauingenieur während der Bauzeit von „Ciutat de les Arts i les Ciències“ für ETH Alumnus Santiago Calatrava gearbeitet hat. Calatrava hat 1975-79 an der ETH Bauingenieurwissenschaften studiert. Er hat beispielweise den Bahnhof Stadelhofen geplant und erst diese Tage sein Projekt für den Neubau des Falken-Hauses vorgestellt. Als Beispiel für Calatravas organische Baukunst diente uns das Opernhaus, welches von weitem einem antiken Helm mit Federn gleicht. Im grössten Saal, der 1400 Personen fasst, tritt die organische Bauweise des Architekten ebenfalls in Erscheinung. Die mit blauer Keramik gekachelten Wände haben Rillen und Ausbuchtungen, die eine ausgezeichnete Akustik bieten. An anderen Orten im Gebäude wurden Räume spontan während des Baus abgeändert, um ihren Funktionen doch noch gerecht zu werden. Während eines Spaziergangs entlang dem Wissenschaftsmuseum machte uns Fernando auf weitere bauliche Details aufmerksam und erzählte uns Anekdoten über Calatrava und seine Arbeitsweise.

Orangen zum Abschluss

Der Nachmittag gehörte der „Casa del Mas“ in der Nähe von Canals. Boris Jost und Frederico, Leiter des Betriebs, erklärten, dass die Plantage vom Schweizer Ernst Baumann 1929 gegründet wurde. Er kaufte 50 Hektaren Land und fand nahebei eine Quelle, die bis heute die Bäume versorgt. Da Ernst Baumann der Anthroposophie nahestand, wurden die Zitrusfrüchte von Anfang an biologisch angebaut, eine Seltenheit in Spanien. Die treue Privatkundschaft in der Schweiz und ein gutes Vermarktungssystem garantieren dabei einen konstanten Absatz. Zusätzlich wird mit Wohnungen auf dem Hof ein Standbein im Agrotourismus aufgebaut. Die hiesige Verarbeitungsanlage wirkt familiär und übersichtlich. Dennoch schaffen es die Orangen, die jedermann im Internet unter www.casadelmas.ch bestellen kann, in zwei Tagen in die Schweiz.

Da wir es nicht eilig hatten, genossen wir Tapas, Grill und interessante Gespräche. Der lauschige Innenhof des alten Landhauses war der ideale Abschlussort für die Alumni Reise 2016, bevor es am folgenden Mittag wieder zum Flughafen ging.

 
 
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