Besuch bei der SBB Betriebszentrale Süd in Pollegio

03.11.2016 | OG Ticino Alumni

Von:  Chiara Cometta

Am Freitag, 9. September 2016, lud die Ortsgruppe Ticino Alumni zum Besuch der Betriebszentrale Süd der SBB in Pollegio ein. Dieser Besuch ist im Jahr der Inbetriebnahme des Gotthard Basistunnels (Alp-Transit) sehr aktuell und hat bei den Mitgliedern der OG Ticino Alumni grosses Interesse geweckt. Obwohl der Besuch aus organisatorischen Gründen seitens der SBB nur an einem Freitagnachmittag stattfinden konnte, nahmen rund 25 Mitglieder teil.

Die Alumni der OG Ticino
Die Alumni der OG Ticino

Das Programm wurde sehr abwechlugsreich gestaltet und bestand aus drei Präsentationen gefolgt von einer Führung innerhalb der operativen Zentrale. Die drei Vorträge haben eindrücklich gezeigt, wie bei der Gebäudekonzeption die Bedürfnisse des Auftraggebers (SBB) optimal durch den Synergieeffekt zwischen Architekten und Bauingenieuren erfüllt worden sind.

Zusammenführung der Verkehrssteuerung

Herr Marco Cattaneo, verantwortlich für die administrativen Dienstleistungen und die Lehrlings-Ausbildung in Pollegio, begrüsste die Alumni und erklärte in der ersten der drei Präsentationen die Stellung der Betriebszentrale Pollegio im nationalen Netz der SBB. Das langfristige Ziel der SBB ist die Führung und Kontrolle von kleineren bis mittleren Bahnhöfen, welche bereits heute teilweise ohne Bahnhofvorsteher operieren, via geographisch strategisch platzierten Betriebszentralen.

In der Schweiz haben die SBB vier Betriebszentralen (BZ) in Betrieb genommen:

  • BZ Mitte: Olten
  • BZ West: Lausanne
  • BZ Süd: Pollegio
  • BZ Ost: Zürich Flughafen  

Die bisher über 100 regionalen Standorte der Verkehrssteuerung werden 2016 in diese vier Betriebszentralen zusammengeführt. Die BZ Süd ist dabei die kleinste der vier. Sie ist jedoch für den Betrieb des Gotthard-Basistunnels verantwortlich. Von Pollegio aus wird der Zugsverkehr von Arth-Goldau bis Chiasso gelenkt. Damit ist die BZ Süd die einzige, welche in zwei Sprachräumen tätig ist.

Il Periscopio

ETH Alumnus Valerio Galli, Arch. ETHZ und örtlicher Projektleiter von SBB-Infrastruktur in Pollegio, hielt die zweite Präsentation. Damit bei unvorhergesehenen Ereignissen im Gotthard-Basistunnel ein Raum für die „Task Force“ garantiert ist, verfügte das Bundesamt für Verkehrt, die BZ Süd in unmittelbarer Nähe zum Tunnel zu bauen. Die Zentrale trägt den Namen „Periscopio“. Dies weist auf die Funktion und Form des Gebäudes hin. Die Form des Gebäudes soll an ein Periskop erinnern, das den Bahnverkehr durch den Gotthard überwacht, eine Art Kontrollturm. Dieser ist auch bewusst aus demselben Material gebaut wie die Röhren des Basistunnels. Valerio Galli ging in seiner ausführlichen Präsentation auch auf die zahlreichen Anforderungen ein, welche die Anlagen der Betriebszentrale erfüllen müssen. So wurden beispielsweise die Technikräume besonders flexibel gebaut. In Zukunft können diese je nach Anspruch erweitert oder geändert werden, ohne den Normalbetrieb zu stören. Das als Hochhaus geltende Bauwerk hält ausserdem modernsten Ansprüchen der Wärmerückgewinnung stand.

Projektleitung in Frauenhand

ETH Alumna Cristina Zanini Barzaghi, Ing. ETHZ, hielt die letzte Präsentation. Sie ist die Vertreterin des Architekten- und Ingenieur-Teams. Schon 2006 haben die SBB und die AlpTransit Gotthard als gemeinsame Bauherrschaft einen Projektwettbewerb ausgeschrieben und zehn Teams zum anonymen Wettbewerb eingeladen. Unter den eingesandten Projekten fiel die Auswahl einstimmig auf das Projekt „Periscopio“ der Arbeitsgemeinschaft Bruno Fioretti Marquez + Martini, Lugano/Berlin, welche das Projekt gemeinsam mit dem Tessiner Architekturbüro Borlini & Zanini eingereicht hatte. Bemerkenswert dabei ist, dass mit der italienischen Architektin Donatella Fioretti und der Schweizer Ingenieurin Cristina Zanini Barzaghi die gesamte Projektleitung in Frauenhand ist. Dies spricht auch für die stärker werdende Rolle der Frau in technischen Berufen. Auf interessante und humorvolle Art hat Cristina Zanini die Geschichte hin zu einem der markantesten Gebäuden der Schweiz dargestellt. Die Form des „Periscopio“ mit den asymmetrischen Auskragungen des oberen Teils und dem massiven Sockel hat das Ingenieur-Team vor grosse Herausforderungen gestellt. Insbesondere sei die Suche nach Lösungen für die Tragkontruktion schon in der Vorprojektphase „inspirierend“ gewesen. Diese statische Berechnung hat unter anderem dazu geführt, dass für den oberen Teil der Stahlbetonkonstruktion 1‘650 Meter Spannkabel verbaut wurden.

Besichtigung als Höhepunkt

Nach den spannenden Einführungen zum „Periscopio“ und seiner Funktion durften die Alumni nun eine Führung geniessen. Das siebenstöckige Gebäude besteht aus zwei Teilen: einem schlanken Sockelbau und dem darüber liegenden, auf zwei Seiten asymmetrisch auskragenden Kommandoraum. Im massiven mit kleinen Öffnungen befensterten Sockel befinden sich Büros und Nebenräume. Der zweigeschossige Kommandoraum wendet sich mit einer breiten Verglasung der Autobahn und der Bahnstrecke zu.

Im Bürotrakt im sechsten Stock erhielten die Mitglieder der OG Ticino Alumni Einsicht in den 24-stündigen Betrieb des Kommandoraumes. Diese Büros hängen mit Zugstangen am Dach, sodass der Kommandoraum ohne Stützen auskommt. So werden diese vom Tageslicht durchstrahlt. Der Betrieb des BZ Süd in Pollegio muss 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr gewährleistet sein. Dafür sind derzeit 130 Teilzeitangestellte verantwortlich. Nach Fertigstellung des Ceneri Basistunnels wird die BZ Süd ihre volle Kapazität erreichen und insgesamt 160 Personen beschäftigen. Davon arbeiten jeweils etwa 40 gleichzeitig im Kommandoraum. Dementsprechend sind die Räumlichkeiten mit den neuesten technischen Einrichtungen ausgerüstet worden. Neben dem Kommandoraum sind zudem Büros der Bereiche Operations- und Verkehrsmanagement im „Periscopio“ untergebracht.

Für weitere interessante Details sei auf das TEC21 Sonderheft  (Nr. 51-52/2015) «Die Betriebszentrale Süd in Pollegio», hingewiesen.

 
 
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