Felix Moesner: Ein Kosmopolit aus Appenzell

06.03.2017 | Alumni Porträts

Von:  Felix Würsten

Felix Moesner hat es im Lauf seines Lebens immer wieder in die weite Welt gezogen. Dennoch blieb der ETH-Alumnus und heutige CEO von Swissnex Boston stets eng mit der Schweiz verbunden.

Felix Moesner
Felix Moesner

Mit viel Elan führt Felix Moesner durch das helle Gebäude mit dem Schweizerkreuz am Eingang: «Hier im Parterre haben wir genügend Platz für unsere zahlreichen Anlässe und Arbeitsplätze für Gäste; im oberen Stock befinden sich unsere Büros, in denen wir unsere Aktivitäten vorbereiten.» Als CEO von Swissnex Boston leitet Moesner hier am Broadway in Cambridge (Massachusetts/ USA) das erste wissenschaftliche Konsulat der Welt. Auch wenn sich das globale Swissnex- Netz in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert hat: Der Standort Boston – ideal gelegen zwischen den beiden Spitzenuniversitäten MIT und Harvard – ist ein wichtiger Aussenposten der Schweiz, um Wissenschaftskontakte zu pflegen, zählt die Region doch zu den akademisch wichtigsten Zentren der Welt. Seit vier Jahren leitet Felix Moesner dieses Konsulat, das 2013 um eine Aussenstelle in Manhattan erweitert wurde. «Zu unseren Aufgaben gehört es, die Schweizer Bildungsinstitutionen mit den amerikanischen zu verbinden», erklärt er. «Swissnex stellt Kontakte zwischen Wissenschaftlern her, unterstützt junge Schweizer Start-ups, die in den USA Fuss fassen wollen, und macht mit Veranstaltungen auf Schweizer Forschungsaktivitäten aufmerksam.» Es liegt auf der Hand, dass die ETH als weltweit führende technische Hochschule häufig hier präsent ist, auch wenn Swissnex an sich alle Schweizer Hochschulen vertritt. So war vor Kurzem ETH-Rektorin Sarah Springman zu Besuch, und auch der frühere ETH-Präsident Olaf Kübler kam neulich auf eine kurze Visite vorbei. Dieser konnte sich noch gut an den heutigen Konsul erinnern, wie Felix Moesner mit Erstaunen feststellte. «Als Student wollte ich Mitte der 1990er-Jahre meine Diplomarbeit in Japan machen, was damals noch sehr ungewöhnlich war. So traf ich Olaf Kübler das erste Mal: Ich musste persönlich bei ihm als Departementsvorsteher eine Bewilligung einholen. Dabei fragte er mich, ob ich einen Betreuer hätte, sonst würde er gern einspringen.

Internationale Prägung

Der gebürtige Appenzeller kam schon früh in seinem Leben mit fremden Kulturen in Kontakt. Von seinem Heimatort aus hat man einen herrlichen Blick ins benachbarte Ausland, sein Vater war Österreicher, seine Mutter norwegisch-französische Doppelbürgerin und in der Schule lernte Moesner Kinder aus Afrika und Asien kennen, die als Waisen im Pestalozzi-Kinderdorf in Trogen aufwuchsen. Dennoch war es eher Zufall, dass es ihn später als jungen Forscher nach Japan verschlug. Nach vier Semestern Elektrotechnik an der ETH wollte er endlich erfahren, was man mit dem Gelernten in der Praxis machen kann. Moesner entschied sich für ein Angebot aus Fernost: Beim Technologiekonzern Toshiba, der damals noch Industrieroboter entwickelte, konnte er im Team mitwirken, das den Greifarm für die geplante internationale Raumstation ISS entwickelte. «Gleich nebenan arbeitete übrigens eine Gruppe an einem Roboter, der bei einem Unfall in einem AKW zum Einsatz kommen sollte. Doch dieses Projekt wurde tragischerweise kurz nach meinem Aufenthalt eingestellt», erinnert sich Moesner.

Immer wieder Japan

Zurück in der Schweiz entschloss er sich, am ETH-Institut für Robotik eine Doktorarbeit zu machen. Doch das Fernweh liess ihn nicht los: Er überzeugte seinen Doktorvater, die praktische Forschung an der Universität Tokio zu machen und die Doktorarbeit danach an der ETH zu schreiben. «Es war eine sehr produktive Zeit: In weniger als drei Jahren konnte ich an der ETH meine Arbeit abgeben, ein Dutzend Publikationen veröffentlichen und daneben gleich noch vier Patente anmelden», schwärmt er. Danach nahm er an der ETH ein Postdoc-Stelle im Bereich Nanotechnologie an. «Damals wurde mir klar, dass der akademische Weg für mich nicht in Frage kommt. Deshalb wechselte ich in die Industrie und wurde Consultant bei der Beratungsfirma Synpulse.» Nach drei weiteren Jahren ging es wieder nach Asien: Moesner wechselte zur Credit Suisse, die damals gerade die Winterthur Versicherung übernommen hatte. Die Grossbank schickte ihn nach Tokio, wo er die IT-Abteilung im Lebensversicherungsbereich leiten sollte. «Ich war damals 35 Jahre alt und musste plötzlich ein Team von 50 japanischen Mitarbeitenden leiten», blickt Moesner zurück. «Das war eine extremä spannende Herausforderung für mich.» Als die Schweizer Botschaft im Jahr darauf einen Mitarbeiter im wissenschaftlich-technischen Bereich suchte, entschied sich Moesner zum erneuten Wechsel. Obwohl er geradezu ideal auf das Jobprofil passte, zögerte er zunächst mit einer Zusage: «Mir graute davor, ein Bürokrat zu werden.» Von Anfang an packte er neue Ideen an, selbst wenn er mit dem frischen Wind bei seinen Kollegen auf der Botschaft teilweise auf wenig Verständnis stiess. Auch heute bei Swissnex ist es ihm wichtig, dass er einen unternehmerischen Spielraum hat und eigene Ideen umsetzen kann. Während seiner Zeit auf der Botschaft erlebte Moesner auch die Katastrophe von Fukushima hautnah mit. «Das Erdbeben, das am Anfang des Unglücks stand, war heftig, selbst für japanische Verhältnisse», erinnert er sich. Der gewaltige Tsunami und das anschliessende Reaktorunglück führten zu einer grossen Verunsicherung, die auch die Botschaftsangehörigen ratlos machte. Noch heute berührt es Moesner sichtlich, wenn er sich an diese turbulenten Tage erinnert: «Ich bin sehr dankbar, dass ich damals gerade aus der Schweiz so viel Unterstützung erhalten habe.»

Inspirierendes Umfeld

Vor fünf Jahren wechselte Moesner zu Swissnex Boston. Nach zehn Jahren in der hektischen Grossstadt Tokio fand die Familie nun in einem beschaulichen Vorort von Boston ein neues Zuhause – zum Leidwesen seiner Kinder im Teenageralter. Auch wenn die Umgebung des Swissnex-Sitzes ruhig wirkt: Moesner findet es schlicht grossartig, in welch hochstehendem intellektuellem Umfeld er hier arbeitet. «Auf engem Raum befinden sich 300 Colleges, Universitäten und Forschungsinstitute. Das erzeugt eine sehr inspirierende Atmosphäre.» Die ETH, das stellt er bei seinen Gesprächen immer wieder fest, geniesst an der amerikanischen Ostküste einen exzellenten Ruf. Die Schweiz erbringe tatsächlich eine erstaunliche Leistung, findet Moesner: «Unserem dualen Bildungssystem verdanken wir es, dass wir uns eine derart exzellente Position erarbeiten konnten. Dazu müssen wir unbedingt Sorge tragen.» Lernen könne die Schweiz hingegen von der amerikanischen Fehlerkultur: «In der Schweiz und in Japan ist man bestrebt, möglichst keinen Fehler zu machen. Das ist hier ganz anders. Auch bei Swissnex Boston fällen wir viele Entscheide in kurzer Zeit und probieren auch einmal spontan neue Sachen aus. Wenn es nicht klappt, sagen wir uns: Okay, wir haben wieder etwas gelernt.» Schon bald wird Moesner wieder die Koffer packen: Im Sommer steht innerhalb von Swissnex die nächste grosse Rochade an. Der Vielgereiste wird danach Swissnex China in Shanghai leiten. Auf die Rückkehr nach Asien freut er sich. «Mir gefällt es in dieser Weltregion», erklärt er. «Und ich werde dort nochmals eine neue Sprache lernen können.» Seine Japanischkenntnisse werden ihm dabei zugute kommen: «Viele Schriftzeichen sind im Chinesischen und Japanischen ähnlich, so dass der Start am neuen Ort nicht so schwerfallensollte.» Sein Credo hingegen wird aucham neuen Ort gleich bleiben: «Ich möchte mit meiner Arbeit der Schweiz etwas zurückgeben,indem ich mich vom Ausland aus für meine Heimat einsetze.»

Über Felix Moesner

Felix Moesner hat von 1987 bis 1993 an der ETH Zürich Elektrotechnik studiert und 1996 am Institut für Robotik promoviert. Nach seiner Zeit als Postdoc an der ETH wechselte er als Berater und IT-Spezialist in die Industrie. 2003 wurde er Science & Technology Counsellor bei der Schweizer Botschaft in Tokio, wo er unter anderem verschiedene akademische Netzwerke aufbaute. Seit 2012 leitet er als CEO das Schweizer Wissenschaftskonsulat Swissnex in Boston.

SWISSNEX

Seit 2000 betreibt die Schweiz an ausgewählten Standorten Wissenschaftshäuser. Die Swissnex haben den Auftrag, in der Gastregion ein enges Beziehungsnetz zu Forschungsinstituten und Hightech-Unternehmen zu knüpfen und dieses für Schweizer Institutionen und Einzelpersonen nutzbar zu machen. Das erste Schweizer Wissenschaftshaus wurde 2000 in Boston eröffnet. Swissnex Boston arbeitet eng mit Swissnex San Francisco und den Wissenschaftsrätenin Washington und Ottawa zusammen. Seit 2013 führt das Konsulat ein Büro in New York, das vor allem in der Förderung von Start-ups und Bildung aktiv ist.

 
 
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