«Die ETH Zürich hat uns eine hervorragende Startposition gegeben»

04.04.2017 | Alumni Porträts

Von:  Nina Wüst

ETH Alumnus Christian Schaub studierte Ingenieurwissenschaften und gründete 2006 mit Partnern das ETH Spin-off Redbiotec. 2014 verkaufte er eine Ausgründung davon an Pfizer Inc. Heute produziert Redbiotec Impfstoffe gegen Herpes Simplex Viren und macht neu erste Schritte in Richtung Onkologie, um Mikroorganismen zur Krebsbekämpfung zu entwickeln. Mit uns spricht Christian über die Herausforderung bei der Spin-off Gründung und was er jungen Alumni raten würde, die auch eigene Wege gehen möchten.

Christian Schaub, ETH Alumnus und Gründer von Redbiotec
Christian Schaub, ETH Alumnus und Gründer von Redbiotec

Herr Schaub, Sie haben Ingenieurwissenschaften an der ETH Zürich studiert und 2006 das ETH Spin-off Redbiotec gegründet. Was macht Redbiotec?

Redbiotec ist ein Biotech-Unternehmen mit Sitz in Zürich-Schlieren, wo wir uns in unmittelbarer Nähe zu unserem Nachbarn Roche befinden. Wir entwickeln Impfstoffe gegen virale Krankheiten, heute hauptsächlich gegen Herpes Simplex Viren. In der Vergangenheit haben wir ein Impfstoffprogramm gegen das Cytomegalovirus CMV entwickelt. Dieses wurde in ein Spin-off abgespaltet, das wir Ende 2014 an Pfizer Inc. (USA) verkaufen konnten. In jüngster Vergangenheit hat Redbiotec erste Schritte in Richtung Onkologie gemacht, mit dem Ziel, Mikroorganismen zur Krebsbekämpfung zu verwenden und zu entwickeln.

Redbiotec ist ein ETH Spin-off. Wie hat die ETH Zürich Sie bei der Gründung unterstützt?

Die ETH Zürich hat uns eine hervorragende Startposition gegeben mit der Lizenzierung zweier Technologie-Patente an Redbiotec. Damit konnten wir im Markt erste Schritte machen. Als wir dann anfingen, unsere eigenen Produkte und Technologien zu entwickeln, blieb die ETH als Aktionärin ein verlässlicher Partner. Auf operativer Ebene konnten wir immer wieder mit der ETH zusammenarbeiten, Services und Instrumente der ETH nutzen. Darüber hinaus konnten wir Forscher der ETH für unser Advisory Board gewinnen.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Gründung und dem anschliessenden Aufbau Ihres Unternehmens?

In der Gründungsphase waren die beiden grössten Herausforderungen die Bildung eines tragfähigen Teams sowie die Beschaffung von Geld für die Seed Phase. Danach blieb die Mittelbeschaffung eine permanente Aufgabe, dazu kam das Ausrichten des Unternehmens auf den Markt. Wir hatten sehr viele strategische Optionen. Entsprechend sorgfältig mussten wir unseren Fokus entwickeln. Und schliesslich galt es, auf dem Gebiet unseres Kernproduktes die «Besten» zu werden und diese Position zu behaupten.

"Der Weg zum Erfolg kann Jahre, manchmal Jahrzehnte dauern." Christian Schaub, ETH Alumnus und Gründer von Redbiotec

Was würden Sie jungen ETH-Absolventen, die ein eigenes Start-up gründen möchten, raten?

Zunächst rate ich, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen. Eine Firmengründung wird in jedem Fall einen reichen Erfahrungsschatz erzeugen. Den jungen Unternehmerinnen und Unternehmern rate ich, einen eigenen Weg zu suchen und zu beschreiten. Inspiration durch externe Experten ist wertvoll, man sollte aber immer kritisch bleiben. Und dann ist es zentral, dass man demütig bleibt. Initiale Erfolge wie das Gewinnen einiger schöner Start-up Wettbewerbe ist noch lange kein Gradmesser für den künftigen Markterfolg. Im Gegenteil, leider überschätzen sich junge Unternehmerinnen und Unternehmer oftmals, ignorieren ihre Konkurrenz und verkennen die kritischen Feedbacks möglicher Kunden und Partner. Weiter müssen sich junge Unternehmerinnen und Unternehmer auf einen Marathonlauf einstellen. Der Weg zum Erfolg kann Jahre, manchmal Jahrzehnte dauern. Diesen Weg kann man nur gehen, wenn man dafür die Kraft und die Ausdauer hat. Entsprechend muss das Leben eines Unternehmers/einer Unternehmerin gesund und ausbalanciert sein.

Ihre Inverstoren haben mit Redbiotec Geld verdient. Wie kam es zur dieser Erfolgsgeschichte?

Vom Tag der Gründung an haben wir für diesen Erfolg gekämpft. Wir wollten unseren Investoren einen finanziellen Return auf deren Investments in einer frühen Entwicklungsphase ermöglichen. Daher haben wir unsere Strategie darauf ausgelegt, unsere Produkte nur präklinisch zu validieren und auf teure und lange klinische Studien zu verzichten. Als Konsequenz mussten unsere Produkte umso innovativer und einzigartiger werden, damit sie in einer frühen Phase verkauft werden konnten. Also arbeiteten wir in unserem Gebiet mit führenden Wissenschaftlern weltweit zusammen und optimierten unsere Produkte während einigen Jahren immer weiter. Darüber hinaus haben wir früh erkannt, dass es wichtig ist, mit der Industrie zusammen zu arbeiten. Dadurch kannten wir das Anforderungsprofil unserer Produkte zeitig und konnten sehr zielgerichtet entwickeln. Ein erwünschter Nebeneffekt der Zusammenarbeit mit Industriefirmen war, dass uns verschiedene internationale Pharmaunternehmen kennenlernten und sich von der Qualität unserer Produkte und unseres Teams überzeugen konnten. Wir sind sehr stolz auf den erfolgreichen Verkauf unseres Spin-off Redvax an Pfizer, weil dadurch Aktionäre für ihre hohe Risikobereitschaft belohnt werden konnten. Es ist natürlich schön, dass auch eine Organisation wie die ETH Zürich finanziell von Redbiotec profitiert hat.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Es ist schwierig, die Zukunft zu antizipieren. Ich werde mit grosser Wahrscheinlichkeit weiterhin leidenschaftlicher Unternehmer sein. Und dies in verschiedenen Rollen. Einerseits in einer solchen wie heute bei Redbiotec als CEO. Andererseits als Business Angel/ Privatinvestor in spannenden Firmen. Hier werde ich vermutlich meine heutigen Geschäftsfelder Life Sciences und ICT ausweiten und freue mich auf neue Herausforderungen in mir noch wenig vertrauten Branchen. Sicher werde ich immer versuchen, Zeit zu finden für die Förderung des Unternehmertums, das mir sehr am Herzen liegt. Und privat wünsche ich mir wie so viele andere Menschen auch noch mehr Zeit für meine Familie, meine Freunde und meine Hobbies.

 
 
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Mon May 29 19:04:47 CEST 2017
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