Xi Zhang: «Das Leben in zwei Welten ist die Quelle meiner Inspiration»

13.07.2017 | Alumni Porträts

Von:  Judith Setz

2004 kam Xi Zhang an die ETH Zürich, um nach einem Praktikum bei Herzog & de Meuron in Basel Architektur zu studieren. Für sie eröffnete sich damit ein neues Weltbild. Trotzdem zog es sie nach ihrem Abschluss 2006 wieder zurück nach Shanghai, wo sie das Architekturbüro EXH Design mitgründete. 2016 eröffnete sie den zweiten Standort in Zürich. Heute pendelt ETH Alumna Xi zwischen den beiden Welten. Das Jobjournal sprach mit ihr über ihren Werdegang, ihre Motivation und das Leben in zwei Kulturen.

Xi Zhang: ETH Alumna und Architektin
Xi Zhang: ETH Alumna und Architektin

Xi, Du bist in China aufgewachsen und hast ein Architekturstudium an der Tongji University in Shanghai absolviert. Danach hast Dich noch für ein Architekturstudium an der ETH entschieden. Warum?

Nach meinem Abschluss an der Tongji University wollte ich mein Architektur-Studium an einer Top-Universität weiterführen. Von Herrn Wu Wei, selber ETH Alumnus, habe ich über die legendäre ETH Zürich gehört. Er sagte damals zu mir: «Entweder bleibst Du in China oder Du gehst an die ETH Zürich! Alles andere macht keinen Sinn». Im Nachhinein muss ich sagen, dass dies einer der besten Ratschläge in meinem Leben war und ich ihn zum Glück angenommen habe. Diesen Rat gebe ich heute übrigens auch allen Studenten, die ihren Horizont erweitern möchten.

Wie war es für Dich, in Europa zu leben und zu studieren?

Europa ist ein wunderbares Museum für Architekturstudenten. Das Wichtigste für mich ist jedoch, dass mir die ETH die Methode beigebracht hat, wie man Geschichte wissenschaftlich betrachten, behandeln und wieder anwenden kann. Das ist grundsätzlich eine komplett andere Perspektiv, als ich in China gelernt habe. Geschichte steht nicht mehr nur im Bücherregal und bleibt liegen, sondern wird lebendig, greifbar und real! Die Geschichte ist eine unglaubliche Bibliothek mit wahnsinnig tollen Beispielen. Mit dieser Methode kann ich meine eigene Kultur besser verstehen, einsehen und mich inspirieren lassen.

Gleich nach Deinem Abschluss 2006 hast Du das Architekturbüro EXH Design in Shanghai mitgegründet. Warum hast Du Dich für ein Büro in China entschieden?

Nach dem Studium fühlte ich mich super und ich wollte nur eines: Bauen. Shanghai ist eine tolle Stadt mit historischen und zeitgenössischen Einflüssen, die von westlicher und chinesischer Kultur bis hin zu einem Business-Umfeld reichen. Zudem war ich überzeugt, dass mit der Anwendung der an der ETH erlernten Methodologie auf meine eigene Kultur neue und spannende Ergebnisse entstehen würden.

«Ein erfolgreiches Büro zu gründen ist ein sehr schwieriger Weg, aber man wird klüger, stärker und flexibler, wenn man sich niemals fallen lässt.» Xi Zhang, ETH Alumna und Architektin

Ihr habt auch ein Büro in Zürich und Du reist regelmässig zwischen den beiden Orten hin und her. Wie ist es für Dich, in diesen zwei unterschiedlichen Welten zu leben?

2016 haben wir EXH Design AG in Zürich gegründet und ich pendle alle vier Wochen zwischen diesen zwei Welten. Ein Monat Shanghai und ein Monat Zürich ist nicht leicht, aber sehr erfüllend. Für mich sind die beiden Welten ein bisschen wie Tag und Nacht, die sich ergänzen. Und sie sind auch die geheime Quelle meiner Inspiration, aus der ich von beiden Kulturen und Ressourcen schöpfen kann.  

Was fasziniert Dich am meisten am Berufsfeld der Architektur?

Was mich am meisten fasziniert, ist, wie man die feine Kunst der vielfältigen Herausforderungen beherrschen muss. Als Architekt braucht man gut zu sein in diversen Bereichen: Geschichte, Technologie und Kreativität, ästhetisches Empfinden, ideologische Auseinandersetzung, aber auch Kosten, Termine und Management. Es braucht Logik und Fantasie zugleich und man ist Künstler und Businesswoman in einem. So heisst es nicht nur präsentieren und überzeugen, sondern auch machen! Dies alles hält mich mental fit, was mir auch in anderen Lebenssituationen zugutekommt. Ich denke da beispielsweise an die Kampfsportart (den Kampfkunststil) Gong Fu, wo man sich dank mentaler Fitness besser bewegen und schneller reagieren kann.

Was rätst Du jungen Architekten, die ihr eigenes Büro aufmachen wollen?

Ein erfolgreiches Büro zu gründen ist ein sehr schwieriger Weg, aber man wird klüger, stärker und flexibler, wenn man sich niemals fallen lässt.

Kurzporträt Xi Zhang

  • 1997-2002  Architekturstudium an der Tongji University, Shanghai
  • 2002-2004  Praktikum und Junior Architect bei Herzog & de Meuron, Basel
  • 2004-2006  Architekturstudium an der ETH Zürich, Dipl. Arch ETH
  • Seit 2006    Mitgründerin EXH DESIGN AG, Shanghai, China
  • Seit 2016    Mitgründerin EXH DESIGN AG Zürich, Schweiz

Website: www.exhdesign.com

 
 
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Thu Jul 27 02:47:52 CEST 2017
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